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Montag, 31. Dezember 2012

Guten Rutsch ...

... aber nicht zu sehr rutschen ... kommt gesund und wohlbehalten ins Neue Jahr!
So wünsche ich euch für das Neue Jahr 2013 Gottes Segen, der genug in sich selbst ist, so dass dem nichts mehr hinzuzufügen ist ...



Sonntag, 30. Dezember 2012

Kleine Lichter in der Nacht und unbegrenzte Grenzen.


Unser Pfarrer hat in seinen Predigten über die Feiertage einige Gedankengänge in mir angeschoben.  Ich hoffe nicht, dass er Schluckauf kriegt, falls er es liest, was ich aus seinen Predigten gemacht habe. Aber  so habe ich einfach mal meine Gedanken mit einigen Punkten aus seinen Worten verbunden. 

Die Predigt Heiligabend Nacht und heute am Sonntag hatten ein paar Gemeinsamkeiten. Am Heiligabend ging es um das Licht, das in die Dunkelheit kam.  Wobei   man sich erst einmal vorstellen sollte, dass es damals noch wirklich dunkel auf den Feldern war, wo die Hirten mit den Schafen waren.  Oft nehmen wir heute das Licht garnicht mehr wirklich wahr, weil  wir mit künstlichem Licht die Nacht verscheuchen. Man kann in der Nacht in unseren Städten kaum noch Sterne erkennen, weil wir überflutet werden vom künstlichen Licht.  Auch die Stille der Nacht  gibt es kaum noch irgendwo. Überall ist es rund um die Uhr laut geworden. Um wirklich Nacht erleben zu können, muss man oft erst einmal die ganzen Lichtquellen, die wir in Gang setzen, außer Betrieb setzen.  Aber da, wo es wirklich Nacht werden kann, da erkennt man auch ein kleines Licht. Da kann ein kleines Licht Wärme und Geborgenheit vermitteln und die Umgebung verändern.

Vielleicht geht es so manchmal auch mit unseren seelischen Dunkelheiten.  Wir versuchen die Dunkelheit zu verscheuchen, indem wir sie künstlich verdrängen.  Wir mögen keine Nacht und fliehen da heraus. Oft hindert uns das, das wirkliche Licht zu erkennen, das uns wirklich verändern kann, aus dem Dunkel heraus ins Licht.

Heute ging es um die Menschen, die das Jesuskind wirklich gesehen haben.  Da kamen z.B. Hirten in eine ärmliche Behausung und fanden ein Kind in ärmlichen Verhältnissen.  Und sie verkündigten: „Wir haben den Heiland gesehen“.  Da waren später zwei alte Menschen im Tempel, der Simeon und die Hanna, die in dem ganz normalen Kleinkind den Heiland erkennen konnten.  

Das sind die Dinge, die Glaubende  erfahren, aber nicht erklären können. Wenn wir anderen Menschen erzählen von dem, was wir gesehen haben, dann  sehen solche Menschen in unseren Worten vielleicht auch nur ein Kind in ärmlichen Verhältnissen. Oder man hört Menschen, die mit  einfachen Worten etwas ganz normal scheinendes ausdrücken – und man erkennt an ihnen, dass sie mehr gesehen hat, als das, was man mit Worten beschreiben kann.

Und da passen für mich die kleinen Lichter in der vollkommenen Dunkelheit und das Kleinkind in ärmlichen Verhältnissen zusammen. Jesus ist in höchster Begrenztheit auf die Welt gekommen und hat das ganze menschliche Leben in seiner Endlichkeit gelebt, um zu zeigen, dass da mehr ist, als das was man vordergründig sehen kann. Jesus hat gezeigt, dass es möglich ist, Böses mit Gutem zu überwinden und letztendlich auch den Tod zu überwinden, weil  es da noch einen Vater gibt, der die Begrenztheit aufheben kann und es auch schon in diesem Leben an vielen Stellen tut, da wo es uns zum Leben dient. Manche Grenzen brauchen wir, um unseren Weg zu finden. Wenn wir diese Grenzen akzeptieren und da heraus leben und wirken, dann können wir manchmal erleben, dass die Grenzen erweitert werden. Manchmal auch so, dass nur wir selbst die Erweiterung erkennen können, weil wir hingehen und uns das Jesuskind anschauen. Andere Menschen sehen da vielleicht nur die ärmliche Umgebung. Aber der Glaubende kann da mehr sehen. Ein Licht, das die Dunkelheit verändert und Grenzen erweitert. 

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Tickets gebucht

Jetzt ist es festgelegt. Ich fahre im Januar zu meinen Söhnen in den Norden und bleibe etwas mehr als eine Woche dort. Heute habe ich Online die Tickets gebucht und mich damit festgelegt.  Vor sechseinhalb Jahren habe ich mich  von dort aufgemacht in den Süden. Und eine lange Zeit wollte ich nicht mehr dorthin zurück. 23 Jahre habe ich dort mit meiner Familie gewohnt. Nun, da meine Söhne wieder in ihre alte Heimat gezogen sind, hat der Ort für mich auf einmal wieder einen Bezug. Und ich erlebe, dass dadurch, dass ich mich öffne, ich auch bereit werde für alte neue Begegnungen. Ich bin gespannt auf diese Zeit.


Sonntag, 23. Dezember 2012


Bin gerade sehr beschäftigt. 
Klar, im kirchlichen Leben ist jetzt Hochsaison.
Bis später mal ...

Freitag, 7. Dezember 2012

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Unvorhergesehene Freude

Heute Morgen habe ich Post bekommen von einer meiner Schwestern, die jahrelang quasi verschollen war. Ich habe vor Freude geheult. Und irgendwie kommt es mir so vor, als wenn ich mit dieser Post mir selbst wieder ein Stückchen näher komme. Verschüttete Erinnerungen, gute und auch nicht so gute, machen den Ort, wo ich mich gerade befinde, zu einem Stück mehr Heimat. Nein, es ist nicht sicher, ob wir weiterhin Kontakt haben werden. Aber ein Stück gemeinsame Erinnerungen kann viel bewirken - vielleicht ja auch bei ihr.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Prompte Antworten

Wow, was ich gerade wieder mal erlebt habe, ist echt cool. 

Mich beschäftigt diese Geschichte mit der Person, die mir andauernd einreden will, dass ich mich auf dem falschen  Weg befinde, während sie auf dem richtigen Weg ist und errettet wird, während ich verloren gehen werde. 

Nungut, ich kenne solche Sprüche zur Genüge und sollte eigentlich langsam gewappnet sein dagegen. Bin ich irgendwie auch. Dafür hat mir Gott seine Zusagen, dass er bei mir ist, schon zu oft bestätigt - wie gerade eben auch. Aber das klein-menschliche Verständnis von mir fragt sich dann ab und zu doch wieder einmal, ob ich da völlig auf dem falschen Dampfer bin. Nicht etwa, weil ich um meine eigene Zukunft Angst hätte, sondern weil ich keine falsche Botschaft weitergeben will an andere Menschen. 

Während ich eben noch mit diesen Gedanken beschäftigt war, ließ ich den PC hochfahren. Währenddessen betete ich, so etwa vom Wortlaut: "Herr, du weißt, dass ich keine falschen Botschaften verbreiten will. Und weißt auch, dass ich grundsätzlich bestrebt war, es richtig zu machen. Ich habe deine Zusagen bisher immer als Bestätigung empfunden. Hilf mir, das Richtige zu tun."

Dann öffnete ich mein Mailprogramm, in dem sich auch eine Mail mit der Tageslosung und Lehrtext befand. Als ich, Sekunden nach meinem Gebet, diese las, blieb mir zunächst nur der Mund offen stehen:


"Der HERR wird meine Sache hinausführen.
Psalm 138,8
Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht.
Römer 8,33"

Wow - wenn das keine Antwort ist, dann weiß ich garnichts mehr.

Danke Gott, du bist einfach Spitze!

Ich glaube, heute ist ein guter Tag!
... und jetzt guckt sogar gerade noch die Sonne raus. :-D

Dienstag, 4. Dezember 2012

Wegweiser

Schon eine ganze Weile genieße ich den "Weiten Raum" (Vergleich zu Ps.31,9) in den ich geführt wurde von Gott. Manchmal schon habe ich mich gefragt, wieso ich so lange Zeit in der Enge von theologischen Grundsätzen leben musste, bis ich einen Weg in die Weite antreten durfte. Es war eine lange Zeit, in der ich ebenfalls die Nähe Gottes gespürt habe und immer auch Bestätigung von ihm empfing, auf die Weise, wie ich es verstehen kann.

Wenn ich jetzt meinen Blick in der neuen Weite umherschweifen lasse, dann kommt mir schon manchmal der Gedanke auf, dass alles was "davor" war, irgendwie nicht richtig gewesen sein kann, weil es mir eher gegensätzlich erscheint. Aber ich erinnere mich noch ganz deutlich an viele Begebenheiten, die auch dort mir die Nähe Gottes und seine Zusagen bestätigt hat. Da taucht immer wieder die Frage auf: "Was ist oder war denn nun richtig oder was ist oder war falsch an meinem Glauben?

Vor einiger Zeit hat dazu mir mal ein Freund auf die Sprünge geholfen, mit der Aussage: "Es kommt überhaupt nicht darauf an, dass dein Glaube richtig ist, sondern darauf, dass dein Glaube aus deinem aufrichtigem Herzen kommt". In dem Moment, als dieser Spruch mein Herz erreichte, machte es "Klick" bei mir. Und ich entdeckte die Weite, die ich bei Gott haben darf, weil Gott nicht abhängig ist von meiner Art zu glauben.

Eine Weile habe ich diese Weite nur für mich selbst genossen. Durch Begegnungen mit Menschen, die miteinander nicht umgehen können wegen der unterschiedlichen Enge bis Weite wird mir langsam klar, wozu es vielleicht  gut war, dass ich so lange in der Enge gelebt habe.

Manchmal komme ich mit Menschen ins Gespräch,  die in dem alten Muster regelrecht gefangen sind und oft auch mit harten Bandagen dafür kämpfen, ihren "richtigen" Glauben unter die Menschen zu bringen.

Anderseits kann  ich oft auch beobachten, dass Menschen, die in dem "Weiten Raum" sind, genauso heftig diese Menschen in dem engen Raum verurteilen und gegen diese kämpfen.

So entsteht langsam der Eindruck bei mir, dass meine Aufgabe so eine Art Vermittlerrolle sein könnte. Gerade weil ich so bewusst die verschiedenen Phasen durchgemacht habe, dass mir noch deutlich in Erinnerung ist, was mich angetrieben hat und mir den Eindruck gab, "richtig" zu sein, kann ich mich wahrscheinlich so am Besten in die einzelnen Menschen hineinversetzen und von der Wurzel her vermitteln.

Meine Vermittlerfunktion sehe ich aber nicht in der Aufgabe, den Einen zu sagen, sie wären "falsch" und den anderen, dass sie "richtig" seien. Sondern darin, dass ich versuche, zu vermitteln, dass sie nicht gegeneinander kämpfen müssen, weil Gott beide oder alle Menschen nach der Herzenshaltung beurteilt, nicht nach dem "richtigen Glauben".

Manchmal empfinde ich diese Aufgabe aber ziemlich ermüdend. Im Moment läuft gerade ein Austausch mit einer Person, die mich dauernd herausfordert mit Totschlag-Dogmen. Eigentlich waren wir Freunde. Aber schon zwei Mal habe ich aufgegeben und Abstand gefordert.  Trotzdem habe ich den Eindruck, dass sie mir von Gott diesen Kontakt herbeigeführt hat. Darum habe ich den Kontakt immer wieder aufleben lassen.  Im Moment bin ich allerdings wieder so weit, dass ich nur noch frage: "Herr, was soll ich da noch sagen?" Wenn sie mir ihre "Fragen", die ganz scharf manipulierend wirken, entgegen schleudert, dann habe ich fast manchmal das Gefühl, gegen dunkle Mächte zu kämpfen. Dabei will ich doch garnicht kämpfen. Ich will nur zeigen, dass man nicht gegeneinander kämpfen muss, um mit dem scheinbar richtigen Glauben vor Gott bestehen zu können.  Das scheint für manche aber ungeheuer schwer verständlich  zu sein.

Vielleicht wollen manche Leute gar keinen "weiten Raum". Vielleicht fühlen sich manche in dieser Enge ja sicherer als in weiten Räumen. Das ist ja auch völlig okay so. Darf doch jeder für sich selbst entscheiden, wie er leben möchte. Problematisch wird es nur da, wo man auch andere, deren Weg schon hin zu dem "Weiten Raum" geschieht, unbedingt in die eigene Enge holen will. Vielleicht, um sich selbst noch sicherer zu fühlen. Vielleicht um nicht allein in dem engen Raum zu sein. Das Ergebnis ihres Kampfes ist dann leider nur, dass sie sich immer weiter von anderen Menschen entfernen und damit erst recht alleine sind. Denn Menschen, die schon einen Blick in die Weite der Nähe zu Gott geworfen haben, möchten meistens auf keinen Fall in einen engen Raum wechseln. Schon garnicht, wenn sie den engen Raum schon kennengelernt haben und sich da heraus auf den Weg gemacht haben.

Erschwerend empfinde ich auch, dass ich keine sichtbaren "Wegweiser" zum "Weiten Raum" zeigen kann. Der einzige Wegweiser, den ich kenne, ist Gott selbst. Aus Berichten erkenne ich bei anderen Menschen, dass jeder in der Verbindung zu Gott seinen eigenen Weg erkennt. Nicht in einer Wanderkarte, sondern Schritt für Schritt. Nicht allein, sondern mit Gott selbst. Einen besseren Plan kann man nicht finden, als den, mit Gott zusammen zu bleiben und zu hören und sehen, welchen Wegweiser er mir für die nächsten Schritte der Gegenwart geben will. Aber Menschen, die gewohnt sind, nach organisierten Wegekarten zu wandern und keinen Deut davon abweichen wollen, ist das wahrscheinlich schwierig.

Mein Wunsch ist, dass Menschen in engen Räumen, bis hin zu den Menschen im weiten Raum eine Einheit werden können, weil sie mit Gott gehen - unabhängig davon, wie sie ihren Glauben leben. Wer mit Gott geht, der kann auch erleben, dass scheinbar enge Räume einen Weitblick haben können und somit verbindend sein können. Gut ist da der Rat:  "Geh mit Gott, aber geh" (ein Spruch aus meiner Jugendzeit). Wenn man das tut, und ein bisschen zurückdenkt an eine Zeit, wo es vielleicht "anders" war, fällt es auch den Weitesuchenden ein wenig leichter, die Engeliebenden  zu verstehen.


Donnerstag, 29. November 2012

Ein empfehlenswertes Buch ...

... für alle, die nach "mehr" suchen, als den angelernten Glauben, den man vorne und hinten nicht nachvollziehen kann.

Ich persönlich erkenne in den Gottesbegegnungen den selben Gott, den auch ich immer wieder erfahre. Selbst dann, wenn der beschriebene Glaubens ganz anders ist als ich ihn erlebe.

Die Autorin hat ein gutes Talent, Dinge in Worte zu fassen, die ich nicht wirklich ausdrücken kann - ohne das Gottesbild einzufangen und für sich zu beanspruchen. 

Titel: "Gott braucht dich nicht", Autorin: "Esther Maria Magnis"

Hier kann man probelesen:
http://www.thalia.de/shop/home/rubrikartikel/ID17685239.html?ProvID=10907022


Montag, 19. November 2012

Wiedergefunden ...

... habe ich ihn. Wobei ich ihn noch nicht einmal gesucht hatte. Und wirklich verschwunden war er auch nicht. Er war bei mir etwas in den Hintergrund gerückt, weil sich für mich neue Weiten auftaten, wo er zunächst scheinbar nicht so richtig reinpasste. In der ganzen Zeit hat er sich weder aufgedrängt noch mich ganz aus den Augen gelassen. Eher hat er mir noch dorthin geleuchtet, wo noch für mich unerforschte Nischen waren, die mir noch zu meinem Weitblick fehlten. Und jetzt, wo er auf einmal wieder direkt vor mir stand, hat er nur freundlich gelächelt und gesagt: "Na, möchtest du jetzt wieder dass wir dichter zusammen rücken?"
Wißt ihr, von wem ich rede? Von Jesus!

Er ist wieder da - und doch so anders, als ich ihn jahrelang kannte. Nicht, weil er sich verändert hätte, sondern weil er mir einen Blick über den Horizont gezeigt hat. Er ist für mich nicht mehr derjenige, der Gott geopfert werden musste, um den armen sündigen Menschen zu ermöglichen, überhaupt zu Gott kommen zu dürfen. Eher ist er der, welcher die Steine und Hügel aus dem Weg geräumt hat, die Menschen immer wieder auf dem Weg zu Gott aufgeschichtet haben, damit keiner mehr erkannte, dass es einen Weg gibt  - einfach zur Sackgasse haben die Menschen den Weg gemacht. Die Folge war, dass Menschen nur noch Menschen im Auge hatten - was nur alle schier zum verzweifeln bringen konnte. Jesus ist gekommen, um uns Gott nahezubringen und zu zeigen: Der Vater wartet auf uns.

Vor einiger Zeit begegnete mir ein Bibelvers, der aussagte, dass der Mensch, der sich auf Menschen verlässt, verflucht ist. Ich  habe ihn  zunächst so verstanden, dass ich keinem Menschen mehr vertrauen konnte. Mich quasi abwenden könnte von Menschen. Aber gerade fange ich an zu begreifen, dass es in dem Wort liegt "verlassen". Da, wo ich mich selbst verlasse - quasi mich selbst verliere ... um Menschen zu folgen, da bin ich  auf einem Weg, der abwärts führt. Da, wo ich danach trachte, Menschen zu gefallen oder einfach nur bestrebt bin, dass mich Menschen verstehen, da habe ich mein Trachten in den Sand gesetzt. Es wird weggeschwemmt und hat keinen Grund, ich verliere mich selbst.

Ich glaube, ich lerne gerade, unabhängig zu werden von Menschen, deren Meinung und deren Urteil. Nicht  abgewendet von den Menschen, sondern hingewendet zu den Menschen, um zu geben von dem, was ich selbst empfangen habe - wobei ich selbst mein Vertrauen auf Gott setze, welches kein Mensch anrühren kann.

Nagut ... ich bin am lernen. Ich denke, ich kann immer wieder in alte Spuren zurückfallen. Aber inzwischen weiß ich ganz sicher, dass Jesus nicht weit ist und mich nie aus den Augen lässt. Und dann, wenn ich ihn ganz nahe brauche, weil ich gerade mal wieder nicht weiter weiß, da ist er plötzlich da, lächelt mich an und reicht mir seine Hand, sagt "Komm mit mir, ich bringe dich zum Vater".

Mit Jesus habe ich auch mich selbst wiedergefunden. Ja, mich selbst hatte ich gesucht, schon eine ganze Weile. Hatte oft das Gefühl, ich wäre ausgestiegen und schaue mir selbst zu, bei dem was ich tue.
Keine Sorge, ich bin nicht verrückt - vielleicht eher wieder auf den rechten Platz gerückt. Aber verstehen muss mich keiner. Dass ich es hier schreibe, ist nur mein Mitteilungsbedürfnis - und für meine Erinnerung, wenn ich später nochmal hier lese...

... aber vielleicht ist auch ein Funke für die Zündung für dich hier drin, der dir hilft, dich wiederzufinden, wenn du den Eindruck hast, dass du dich selbst verloren hast.

Mittwoch, 14. November 2012

Du bist wertvoll !


Heute beschäftigte ich mich mit den Gedanken,  wie  oft  wir Menschen dazu neigen, jemandem der  uns unsympatisch ist oder sich nicht so verhält, wie wir es für richtig halten, abfällig zu behandeln und ihm vermitteln er sei nicht wert, (von uns) geliebt zu werden.

Dazu fiel mir eine Geschichte ein, die ich vor Jahrzehnten mal gehört habe, als ich noch im Jugendalter war. Ich weiß nicht mehr, von wem diese Geschichte war und kann sie auch nur aus der Erinnerung heraus erzählen und sie ist deshalb wahrscheinlich nicht halb so beeindruckend, wie die Originalgeschichte. Aber ich versuch es mal …

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Als eine Mutter merkte, dass sie sterben würde, rief sie ihre drei Söhne einzeln an ihr Sterbebett und gab ihnen einen Brief, mit der Bitte, diesen erst nach ihrem Tod zu lesen.
Die Söhne taten es und jeder von den Dreien hütete seinen Brief wie einen großen Schatz.
Der Brief an den Ältesten hatte folgenden Inhalt:
„Mein geliebter Sohn, mein Erstgeborener!
Ich erinnere mich noch, wie ich dich als Neugeborenen in den Armen hielt. Du warst das schönste und größte Wunder meines Lebens. Du hast mir viel Freude bereitet, in den Jahren deiner Kindheit und danach. Du warst als Vorbild für deine Geschwister, als Ältester meiner Kinder.
Ich hoffe, du weißt es: Du warst mir der Liebste!
In Liebe, Deine Mutter“

Der Inhalt des Briefes an den zweiten Sohn war dieser:
„Mein geliebter Sohn, der Mittelpunkt meiner Kinder!
An dem Tag deiner Geburt war ich der glücklichste Mensch auf der ganzen Welt. Du warst so vollkommen schön und ein Wunder, wie ich es kaum fassen konnte.  Du warst der Mittelpunkt der Familie, weil du etwas Besonderes bist.  Es war eine Freude, zu sehen, wie du das verbindende Mitglied als der Sonnenschein der Familie warst.
Du sollst wissen: Du warst mir der Liebste!
In Liebe, deine Mutter“

Im Brief des jüngsten Sohnes stand:

„Mein geliebter Sohn, die Freude meines Alters!
Als du geboren wurdest, waren deine Eltern nicht mehr ganz so jung. Darum war ich überglücklich, dass ich das Wunder deiner Geburt erleben durfte. Ich weiß noch, wie ich dich staunend anschaute, als ich dich das erste Mal in den Armen hielt.  Ich konnte mich garnicht sattsehen daran.  Dein Wachstum und deine Kindheit habe ich ganz bewußt genossen. Du war das schönste Geschenk meines Alters,  als deine Brüder schon ausgezogen waren.
Du weißt sicher  – du warst mir der Liebste!
In Liebe, deine Mutter“
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Vielleicht zeigt diese Geschichte so ungefähr, was mit „dem Jünger, den Jesus liebhatte“ gemeint war.  Ich glaube, dass Jesus seinen Jüngern und allen Menschen genau das gezeigt hat: Du bist etwas Besonderes!

Ich habe mich beim Nachdenken über diese Geschichte gefragt, wie es wohl auf unserer Welt oder einfach in unserem kleinen Umkreis aussehen würde, wenn wir jedem Menschen, mit dem wir zusammentreffen mit Worten oder einfach durch unser Verhalten vermitteln könnte: Du bist etwas Besonderes !

Montag, 12. November 2012

Vertrauen


Hier geht es gerade mal nicht speziell um das Vertrauen zu Gott, sondern um das Vertrauen zu Menschen untereinander.

Ich persönlich habe lange Zeit das Vertrauen zu Menschen besonders gepflegt und auch verteidigt.  Mein Standpunkt war:  ohne Vertrauen zu geben kann man kein Vertrauen ernten.  Natürlich wurde auch mein Vertrauen oft enttäuscht. Aber eine lange Zeit konnte ich das immer mit der Erkenntnis aufwiegen, dass auch ich andere Menschen enttäusche – bewusst oder unbewusst.  Und dass man gerade damit, dass man selbst trotz allem Vertrauen schenkt, auch eine vertrauenswürdige Atmosphäre schaffen kann.

Im Laufe der Zeit geschah es aber, dass mein Vertrauen durch härtere Brocken  ins Wanken kamen, so dass ich nicht mehr ganz so unvoreingenommen Vertrauen geben konnte.  Diese Situationen steigerten sich und fanden ihren Höhepunkt in einem Bibelvers, der mir ausgerechnet  in einer kritischen Phase begegnete:
„… verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt  …“ aus Jeremia  17,5

Für mich war das zunächst der Startschuß zum gänzlichen verbarrikadieren, Menschen gegenüber. Man kann eben keinem Menschen vertrauen. Noch nicht einmal für den Fall, wenn man meint, jemand habe mir Vertrauen gegeben.

Aber das kann es auch nicht wirklich sein …

Ich habe darüber nachgedacht, wie Vertrauen zustande kommt. Es kommt, nach meiner Erfahrung, aus dem Bedürfnis, nicht allein sein zu wollen. Ich möchte selbst nicht ganz alleine sein (auch wenn ich das Alleinsein allgemein genieße) und ich erkenne bei anderen Menschen, dass sie nicht alleine sein möchten und mir deshalb Vertrauen schenken. Man macht sich verletzlich,  weil man heil werden möchte.

Ich bin zur Zeit in der Phase, dass ich versuche, tiefer zu sehen, als nur das, was ein Mensch mir oberflächlich präsentiert, indem ich mein Gegenüber besser anschaue. Gerade dann, wenn dieser Mensch  Potenzial zeigt, dass er mich enttäuschen könnte. Und ich meine, das ist nicht der schlechteste Weg.  Das erfordert oft zunächst, dass ich mich selbst und mein Empfinden an die zweite Stelle setze.  Die Erfahrungen daraus ermutigen mich, den Weg weiter zu verfolgen.

Ich beobachte, dass es Menschen gibt, die das Vertrauen anderer Menschen strapazieren – bis hin zum Missbrauch des Vertrauens. Oft aber empfindet man es auch nur so, weil das Verhalten des betreffenden Menschen Merkmale zeigt, die einem im Zusammenhang mit Missbrauch bekannt sind. Das ist oft auch der Auslöser dafür, dass man sich verbarrikadiert bis dahin, dass man niemanden mehr an sich heran lässt. Dabei merkt man erst, wenn die Mauer unüberwindbar geworden ist, dass man sich damit selbst isoliert hat. Man kann immer nur an einer Seite der Mauer sein. Entweder bin  ich drinnen oder draußen. Aber man ist allein. Vertrauen kann nicht mehr missbraucht werden – aber es gibt auch niemanden mehr, dem ich Vertrauen geben kann. Man hat die Verletzlichkeit verringert – aber dabei ist eine harte Narbe zurückgeblieben, die keine Gefühle mehr durchlässt.

Vertrauen ist lebensnotwendig für Menschen untereinander, glaube ich. Wir machen uns verletzlich und brauchen oft Heilung von Wunden, die gepflegt werden müssen. Aber die Narben bleiben geschmeidig und damit empfindsam für weitere lebensnotwenige Gemeinschaft.  Das Übungsfeld, welches die meisten Lebensimpulse gibt, ist nun mal die Extreme. Gerade dort, wo Vertrauen strapaziert wird, wird Vertrauen lebendig und geschmeidig.

Und das beste Anschauungsmaterial ist dabei die Beziehung zu Gott. Dass wir Gott vertrauen können, das bemerken wir bald, wenn wir in einer Beziehung zu Gott sind. Aber das Vertrauen, das Gott uns selbst schenkt, indem er uns die Entscheidungsfreiheit lässt, selbst wenn erkennbar ist, dass das menschliche Vertrauen Mängel aufweist, das ist ein Auslöser, der das eigene Vertrauen stark machen kann, bis hin zu dem „Dennoch“ ….

aus Psalm 73,23       Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand“

Donnerstag, 8. November 2012

Judas Iskariot, der Verräter

Es gibt wohl kaum einen Menschen, der Judas nicht verurteilen würde, wenn er nach seinem Urteil gefragt würde. Bei dem Bericht in der Bibel über ihn sind natürlich auch Merkmale, die man, oberflächlich gesehen, nur verurteilen kann. Wenn man aber hinter diesem ganzen Geschehen mal versucht, den Menschen zu erkennen und möglicherweise nach Auslösern für seine Taten ausschaut, dann kann man sein Tun auch von einer ganz anderen Seite betrachten ... und möglicherweise auch Merkmale erkennen, die einem sehr bekannt vorkommen.

Judas war einer der Jünger Jesu, der am engsten an ihm dran war. Judas verwaltete die Kasse des Teams. Ein Posten, der Macht beinhaltet. Macht war möglicherweise der Fallstrick für Judas. Er selbst bevorzugte Macht, indem er sich aus der gemeinsamen Kasse bediente und er erwartete vielleicht auch von Jesus, dass dieser seine Macht auch so zeigte, dass sein Volk insgesamt davon profitiert. Judas war Zeuge von unzähligen Wundern, die alle Jesus Macht zeigten. Vielleicht wurde Judas auch langsam ungeduldig, dass nichts von dem geschah, was eigentlich alle erwarteten.

Ich glaube nicht, dass Judas klar war, dass Jesus wirklich sterben mußte. Ebenso, wie keiner der übrigen Jünger das wirklich verstand. Was man auch daran erkennen kann, dass sie alle nur total verwirrt waren, als Jesus dann doch tot war.

Vielleicht wollte Judas Jesus auch nur herausfordern. Möglicherweise hat er mehr an Jesus Macht geglaubt, als es die anderen taten.  Vielleicht so, dass Jesus, wenn er angegriffen wird, endlich zeigt, dass ihn keiner wirklich besiegen kann. Schließlich hat sogar Petrus den verrückten Versuch gemacht, als Einzelner gegen eine ganze Soldatenschar anzutreten, indem er einem Soldaten das Ohr abschlug. 

Judas hatte vielleicht einfach eine falsche Vorstellung von dem Auftrag Jesus ... wie die meisten Menschen, die die Reden von Jesus gehört haben. So viele Zeichen haben doch gezeigt, dass Jesus der versprochene König sein würde (der die Römer besiegen würde?) Vielleicht brauchte Jesus nur mal eine echte Herausforderung?

Warum denn war Judas nach Jesus Tod sonst so verzweifelt, dass er Selbstmord begangen hat?

Wenn man nun darauf hinweist, dass an manchen Stellen beschrieben wird, dass der Satan in Judas fuhr, dann mag man sich vielleicht daran erinnern, dass Jesus auch an einer Stelle zu Petrus so etwas sagte, wie: "der Satan spricht aus dir". Das war da, wo Petrus Jesus davon überzeugen wollte, dass es nicht richtig sei, dass Jesus sterben sollte. Wenn Judas in Jesus auch nur die menschlichen Aspekte der Macht erkennen konnte, dann war seine Intuition der des Petrus sehr ähnlich. Und bei dem "Einzug in Jerusalem" von Jesus hat man gemerkt, dass die meisten seiner Anhänger genau diese Erwartung an Jesus Auftritt hatten. 

Nur schritt Judas zur Tat und tat nebenbei noch etwas für sein Hobby: Geld sammeln. Vielleicht hat er sogar gedacht: ich schröpfe jetzt die Pharisäer ein bisschen und dann werden sie schon sehen, was sie davon haben.  

Vielleicht war darum noch nicht einmal sein Kuss darauf abgezielt, ihn damit zu verraten. Vielleicht hat er den sogar wie ein Augenzwinkern verstanden, so mit der heimlichen Aufforderung: jetzt zeig's denen doch mal, was du drauf hast. 

Es kam alles anders, als Judas gedacht hat. Und er war entsetzt darüber. So sehr, dass ihn  das Geld auch nicht mehr interessierte und so sehr, dass er den Sinn für sein Leben verlor.

Ist Judas Handeln nicht bei diesem Hintergrund menschlich verständlich? 

Macht ist der Ausgangspunkt für vieles Böse. Macht ist eine gefährliche Waffe. Denn sie kann sich auch verstecken hinter scheinbar guten Taten und unmerklich hilfsbedürftige Menschen in eine Richtung zwingen, die eigentlich nur dem Machthaber dient. Und wenn die Macht einmal gewirkt hat, dann fängt das Feuer erst an zu lodern und wird immer größer. Es frisst unbarmherzig alle, die sich nicht dem eigenen scheinbar "Guten" unterwerfen  und dient letztendlich nur dazu, dass alle Beteiligten dem Machthaber dienen.

Jesus hatte auch Macht. Aber wenn man genau hinschaut, kann man erkennen, dass er seine Macht ganz anders genutzt hat, als Menschen es allgemein tun. Er hat sich auf die gleich Stufe begeben, wie diejenigen, die "unten" waren und nicht in die Gesellschaft passten. Und er hat sie geheilt und ihnen gezeigt, dass er sie so liebt, wie sie sind - mit ihren Schwächen und Fehlern. Der Rat, den er oft gegeben hat: ..."sündige hinfort nicht mehr" ... der war zu Schutz von denen gedacht, die von der Gesellschaft als "Sünder" abgestempelt und geächtet wurden. Denn sie mussten weiter leben in genau dieser Gesellschaft. Und mit der Sündenvergebung hat Jesus den Einzelnen von den Schuldgefühlen befreit, und sie aufrecht gehen lassen.  

Ich glaube, dass auch ein Judas im Himmel Gottes Gnade erfahren wird. Deshalb, weil Gott das Herz beurteilt. Und deshalb, weil er eigentlich nicht der Einzige war, der so gedacht hat wie er dachte.

Für mich ist diese Sicht von dem großen Fehler des Judas eher verständlich als die verurteilende und ausgrenzende Version. Ich erhebe natürlich keinen Abspruch auf Vollkommenheit. Jeder darf sich seine Gedanken so machen, wie er halt "gestrickt" ist. Aber vielleicht kann ja so mancher auch Merkmale erkennen, die das Verhalten des Judas barmherziger beurteilen - und damit vielleicht auch barmherziger werden zu manchem armen Sünder, der allgemein als "Abschaum" betrachtet wird.

Dienstag, 6. November 2012

Es blüht ...

... wenn auch draußen langsam alles kahler wird, so habe ich gerade eine tolle Blütenpracht auf meiner Fensterbank. Ich habe sie mal zusammengerückt für ein Foto


Montag, 5. November 2012

Gute Zeiten, schlechte Zeiten ... und noch alles Mögliche dazwischen.

Nein, ich meine nicht die TV-Serie. ;-)

Irgendwer erinnerte mich heute an die Zeit nach dem Krieg. Das führte meine Gedanken zurück in meine Kindheit. Denn ich war ein Kind der Nachkriegsjahre. Wir waren eine achtköpfige Familie. Meine Eltern erzählten uns oft Erlebnisse aus Kriegszeiten. Und meine Mutter war ihr Leben lang von der Angst besetzt, dass wieder mal ein Krieg kommen könnte. Diese Angst hat sich auch als ich Kind war,  auf mich übertragen. Ich habe oft geträumt, es käme Krieg - einfach nach dem Muster, welches ich aus den Erzählungen kannte. Meine Ängste haben allerdings im Laufe der Jahre, nachdem ich erwachsen wurde, nachgelassen.

Kürzlich habe ich gelesen, dass Menschen bis zur Armutsgrenze in DE immer mehr werden. Als ich den Betrag der Grenze sah, stellte ich fest, dass ich auch dazu gehöre. Wenn ich nun aber mal mit der Zeit meiner Kindheit vergleiche, dann bin ich heute wirklich reich. Darum glaube ich, reich oder arm sein ist nicht vom Geld abhängig. Man kann reich sein mit wenigem was man hat und arm sein mit gut gefülltem Geldbeutel. Reich ist man dann, wenn man die Möglichkeiten, die man hat, ausschöpft und sich daran erfreuen kann. Arm ist man dann, wenn man immer mehr haben will, als man bekommen kann.

Ich erinnerte mich heute Morgen an die Zeit vor Weihnachten. Mutter forderte uns auf, Ausschau zu halten nach bunten durchsichtigen und glitzernden Papierchen - z.B. Bonbonpapier. Solche sollten wir aufheben und mitnehmen zum basteln für Weihnachtsschmuck. Auch kleine Tannenzweige, die andere Leute verloren haben, sollten wir mitbringen. Es gab überhaupt viele Schätze, die man einfach auf der Straße finden konnte.

Geschenke zu Weihnachten wurden grundsätzlich selbst gebastelt. Natürlich war das Material recyclet aus Gegenständen, die nicht mehr gebraucht wurden. Alte Pullover wurden aufgeribbelt, um daraus etwas Neues zu stricken oder häkeln. Ich weiß jetzt, warum es mir oft immer noch schwer fällt, Dinge wegzuwerfen, die noch brauchbar erscheinen.

Lebensmittel wegwerfen war ein Verbrechen. Man könnte fast sagen, Lebensmittel waren heilig. Es war auch faszinierend, was für Gerichte Muttern aus "Resten" noch zaubern konnte. Wenn das Geld manchmal zum Monatsende knapp wurde, wurde manchmal aus Weizenschrot, dass wir vom "Futtermann" kauften, eine leckere Schrotsuppe gemacht. (Der Futtermann für Tierfutter fuhr mit dem LKW regelmäßig durch unsere Wohnsiedlung - wie viele andere Verkäufer auch, z.B. Bäcker, Milchwagen und Gemüse sowie Lumpensammler). Auch bei der Brotfabrik gab es auch altes Brot für die Tiere ganz billig. Manchmal war es schon ein bißchen schimmelig, der Schimmel wurde dann abgeschnitten. Aber der Mann bei der Brotfabrik ahnte wohl schon, dass das Brot für die Tiere eigentlich für uns bestimmt war und suchte uns immer die besten Teile raus. Auch hatte die Brotfabrik immer "Tüten" im Angebot. Das waren große Papiertüten, gefüllt mit den abgeschnittenen Rändern von Kuchen - meist Hefestreuselkuchen, die man für ein paar Pfennige kaufen konnte. Ein Besuch bei der Brotfabrik beinhaltete bei uns fast immer auch solch eine tolle "Tüte".

Wir Kinder wurden so erzogen, dass wir auf andere Menschen, denen wir begegnen, acht haben. Es war selbstverständlich, dass man die Nachbarn auf der Straße grüßte. Wenn ältere Frauen mit voller Tasche unterwegs waren, wurde gefragt, ob man tragen helfen kann. Wenn im Bus oder im Wartezimmer alle Sitzplätze besetzt waren, war es selbstverständlich, dass ein Kind aufstand, wenn Erwachsene dazu kamen. Mitarbeit im Haushalt und mitversorgen der kleineren Geschwister war auch selbstverständlich. Weil das bei uns oft wenig Zeit zum spielen bedeutete, habe ich oft den ganzen  Nachmittag lang Hausaufgaben für die Schule gemacht. ;-)

Es waren Zeiten, die Gutes beinhalteten und auch solche, die ich im Rückblick als nicht so gut empfand. Aber die Nicht-so-guten waren es nicht deshalb, weil es zu wenig materiellen Besitz gab, sondern eher da, wo es an Liebe mangelte. Ich habe daraus gelernt:  Liebe kann man nicht kaufen und auch nicht produzieren. Sie entsteht aus dem Herzen heraus, da wo Menschen aufeinander acht haben und das nutzen und auch abgeben was sie haben - anstatt nach dem zu streben, was sie nicht haben können.

Der Missionar, "Jim Elliot" hat dazu mal einen tollen Spruch gebracht. In deutsch übersetzt so ungefähr:  "Der ist kein Narr, der gibt, was er nicht behalten kann um zu gewinnen, was er nicht verlieren kann.".

(Englisch im Original: "He is no fool who gives what he cannot keep to gain that which he cannot lose".)


Dienstag, 30. Oktober 2012

Himmel, Hölle, Tod und Entwicklung ...

... ein buntes Gemisch von Fragen tauchen gerade in einem Forum auf, welche nun auch meine Gedanken beschäftigen. Interessant ist für mich, dass die Antworten für unterschiedliche Fragen bei mir persönlich alle in die gleiche Vorstellung passen.

Ich glaube an einen Plan Gottes, über der ganzen Schöpfung und auch speziell für den einzelnen Menschen. Allerdings ziehe ich daraus nicht die Folgerung, wie es ein User tat, dass er die Menschen als Marionetten Gottes darstellte, der sowieso letztendlich nichts anderes als Gottes Willen tun kann.

Eine Marionette ist fremdgesteuert und kann keine einzige Bewegung aus sich selbst heraus machen. Menschen können dies schon.

Nach meiner Erfahrung besteht der Plan Gottes aus einem weiten Raum, der dem einzelnen Menschen zugeordnet ist. Innerhalb dieses Raumes kann der Mensch sich frei bewegen, denken und entscheiden. Und Gott bietet sich an, innerhalb des weiten Raumes der Begleiter eines jeden Menschen zu sein. Wenn Menschen dies zulassen, können sie damit optimal den Sinn ihres Lebens erfahren und ein erfülltes Leben haben. Wenn sie Gott aber aus ihrem Leben ausschließen wollen, werden sie immer nach dem Sinn suchen und unerfüllt sein, bis sie umkehren zu Gott.

"Gottes Willen" ist, meiner Meinung nach, ein ganz anderes Thema. Es hat nur insoweit mit dem Leben eines Menschen zu tun, wo dieser Mensch mit Gott verbündet ist. 

Gottes Willen geschieht übergeordnet sowieso, auch ohne die Hilfe des Menschen.

Wenn ein Mensch Teil eines Gottesplanes sein darf, weil er sich selbst dazu entschieden hat, profitiert der Mensch davon. Gott ist dabei unabhängig vom Menschen. Wenn er Menschen benutzt innerhalb seines Plans, ist das eine Aufwertung des Lebens eines Menschen. 

Ich denke, jeder Mensch und auch jedes sonstige Lebewesen hat einen ganz bestimmten Platz in der Schöpfung. Innerhalb dieses Platzes ist man beweglich, auch darin, mal über den Mauerrand zu schauen. Die Sichtweise eines Jeden wird aber immer geprägt von der Bestimmung, zu der man vorherbestimmt ist. Beispielsweise wird, bildlich ausgedrückt, ein Gärtner immer ein Gärtner bleiben  – auch wenn der Bereich des Gärtners im gesamten Plan Gottes vielleicht noch mehr erweiterbar wäre, als es möglicherweise auf der momentanen Erde in Anspruch genommen wird. Mit dem "Gärtner" meine ich aber jetzt nicht den Beruf, sondern die Wahrnehmung und Äußerung aus dem persönlichen Erleben heraus.

Die Diskussionen in den Foren gehen u.a. darum, welchen Platz man im Himmel oder in der Hölle hat. Oder, wie man die unterschiedlichen Nahtoderfahrungen deuten kann oder ob die Kinder im Himmel immer noch Kinder sind. Fragen des Lebens eben … jedem aus der Sicht, die er gerade von seinem eigenen Standpunkt aus hat.

Ich denke, auf alles gibt es als einzige gemeinsame Antwort: Jeder erfährt Antworten, welche er in seinem ganz persönlichen Lebensbereich einordnen und verstehen kann.

Menschen, denen Gott irgendwie sichtbar oder spürbar begegnet ist, haben oft den Drang, dieses erhabene Erleben auf die gesamte Erkenntnis der Menschen von Gott zu übertragen. Man zeichnet ein „Bild“ von dem Himmel und der Hölle, von Gott und der Welt Gottes. Verständlich ist es, weil  man gerne mitteilen möchte. Und ebenso enttäuschend ist es oft, dass die Kernbotschaft der Erfahrung die anderen Menschen nicht erreicht. Das kommt, weil sie ein anderes „Bild“ zeichnen – dem angepasst, was für jeden der persönliche Lebensraum darstellt.

Ich weiß auch nicht, wie es später im „Himmel“ sein wird. Auch unter der Bezeichnung „schön“ versteht ja letztlich jeder etwas anderes.  Aber vielleicht ist sogar der Bereich im Himmel, den wir bevölkern werden, an den Bereich des irdischen Lebens geknüpft, der uns bekannt ist. Möglicherweise geht dort das Leben weiter … nur anders.

Bei einem früheren Austausch mit einem Freund kamen wir mal zu der Vorstellung, dass man im Jenseits möglicherweise körperlos als Geist im gesamten „Meer der Geister“ wieder zusammenfließt und quasi nur noch vor sich hinblubbert ohne Einzelempfinden.

Im Moment denke ich gerade eher, dass die Schöpfung Gottes im Jenseits weitergeht, in einem neuen Universum. Möglicherweise schöner und erhabener als das jetzige. Auch einige biblische Autoren haben es sich so vorgestellt. Wissen kann man allerdings weder das Eine noch das Andere. Sinnerfüllt leben kann man nur, wenn man im Hier und Jetzt lebt, mit allem, was einem an Möglichkeiten zur Verfügung steht.  Wenn man erlebt, dass Gott mit in dem eigenen Lebensraum in Aktion tritt, kann man Geborgenheit erfahren. Gerade deshalb, weil er wirklich weiß, wie es „drüben“ aussieht. Und ich denke, das wird mindestens so bunt und vielseitig sein, wie wir es jetzt schon auf dieser Erde erleben. Wahrscheinlich aber noch viel mehr.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Vom Licht zu den Elefanten


Heute morgen, als ich in *meine* Kirche kam, stellte ich fest, dass die Blumen in dem Altargesteck zum Teil ihre Köpfe hängen ließen. Ich hatte sie am Freitag noch frisch gesteckt. Da haben aber einige von den Blumen schnell aufgegeben. Beim Überlegen woran das liegen könnte, kam ich z.B. auf das fehlende Licht. Gestern war es immerhin in der Kirche sehr dunkel. Ich machte also schon mal das Licht im Altarraum an, in der Hoffnung, dass ein paar Blüten sich noch erholen. Und dann mußte ich erst mal raus, um die Schneereste und die vielen nassen Blätter um die Kirche herum wegzufegen. Hat eine Weile gedauert und währenddessen ließ ich meine Gedanken wieder spazieren gehen …

Ich dachte über das Licht nach, das für alles was lebt so notwendig ist.  Nach dem Schöpfungsbericht in der Bibel sagte Gott ganz am Anfang: „Es werde Licht“.  Wir Menschen nehmen das Licht wahr, weil wir es sehen mit unseren Augen. Menschen haben im Laufe der Zeit unzählige Lichtquellen aufgetan und erzeugt. Die Einzelnen Lichtquellen sind aber immer nur begrenzt und reichen nicht an die wirklich lebensspendende Lichtquelle heran. Ob das künstliche Licht im Altarraum meine Blumen wohl beeindruckt ? – 
(Hat es nicht. Aber glücklicherweise hatte ich noch ein paar Blüten im Nebenraum auf Vorrat. Und die habe ich dann mit den köpfehängenden Blüten ausgetauscht.)

Meine Gedanken gehen weiter. Und ich stelle fest, dass alles das, was wir Menschen aus dem, was wir von Gott empfangen haben und mit Worten ausdrücken können, nur eine Facette des Ursprungs anzeigen kann. Worte sind sehr begrenzt und man kann oft feststellen, dass gleiche Worte von unterschiedlichen Menschen in mehrere unterschiedliche Facetten gesehen werden können. Menschen wünschen dann zwar, dass man sich versteht, aber dazu gehören manchmal unzählige Worte, um  zwei verschiedene Sichtweisen miteinander anzugleichen.

Und dann fiel mir ein Wort ein, dass ich als Kind lange Zeit falsch gesprochen habe. Ich sagte anstatt „Elefant“ immer „Elefan“ – wobei ich das „a“ immer ganz lang aussprach. Meine ältere Schwester hat sich immer aufgeregt darüber und mich verbessert. Aber ich habe eine ganze Weile auf meine Version dieses Wortes bestanden. Warum, das weiß ich nicht mehr so genau. Ich weiß nur noch, dass es damit zu tun hatte, dass es Worte gab, die ich mit „t“ oder „d“ am Ende ausgesprochen hatte und von denen mir vermittelt worden war, dass sie ohne dieses Ende ausgesprochen wurden. Irgendwie hat meine kindliche Logik das auch auf den Elefanten übertragen. Es ging lediglich um die Endung des Wortes. Das Tier, das ich meinte, war das Gleiche wie bei denen, die dieses Tier mit einem „t“ enden ließen. Man musste mir also nicht das Tier erklären, sondern ich musste nur meine Aussprache verbessern.

Irgendwie war diese Erinnerung für mich heute Morgen ein passender Vergleich für die Verständigung der Menschen untereinander und erst recht für die Verständigung der Menschen mit Gott. Und wenn es dann darum geht, dass Menschen einander ihre Gottesbeziehung erklären möchten, dann braucht es oft viel mehr als ein paar Worte. Denn Gott kennt die Sprache des einzelnen Menschen – aber die Menschen reden oft untereinander eine unterschiedliche Sprache, selbst wenn sie die gleiche Muttersprache sprechen. So entstehen oft von ähnlichen Erfahrungen ganz unterschiedliche Geschichten.  Und wenn man dann mit seinen Geschichten „Gott“ erklären will, dann wird es oft sehr schwierig, da einen gemeinsamen Punkt zu finden. Oft empfinden die Einzelnen untereinander ihre Erfahrungen sogar gegensätzlich. Und weil sie sich ihrer Wahrnehmung ganz sicher sind (sein wollen), bestreitet man die Richtigkeit der Erfahrungen des Anderen.  Und so werden oft Gotteserfahrungen zum Streitpunkt, wenn man es immer auf der menschlichen Ebene festmachen will.

Jesus hat gesagt, dass man seine Nachfolger an ihrer Einigkeit erkennt. Ich glaube nicht, dass mit der Einigkeit gemeint ist, dass man nur bestimmte Worte auf Gott beziehen kann oder dass Menschen immer die gleichen Erfahrungen mit Gott machen und die gleichen Schlüsse daraus ziehen. Einigkeit ist, nach meiner Erfahrung, viel mehr als das. Es zeigt sich da, wo man ganz unterschiedlich Gott erlebt – und trotzdem sich als Bruder oder Schwester erkennen kann.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Seht die Vögel unter dem Himmel an ...

Vor etwa zwei Wochen habe ich das Vogelhaus auf meiner Terasse aufgestellt. Es gab noch Futter vom letzten Jahr hier und damit wollte ich erstmal  ausprobieren, ob dort überhaupt welche kommen. Ich wurde mächtig überrascht und erfreut.  Es ist den ganzen Tag ein lustiges Geflatter und Gehopse dort. Und inzwischen bleiben die Meisen schon in der Nähe, wenn ich raus komme, um neu aufzufüllen. Habe nun gemerkt, dass ich ganz viel Futter für den Winter brauche. Denn dann sind sie ja darauf angewiesen. Habe mir also schonmal einen Vorrat angelegt.

Heute Morgen, als ich rauskam, war das Vogelhaus umgekippt. Wahrscheinlich hat einer der Rabenvögel, die hier in der ganzen Gegend plündern, versucht, an das Futter heranzukommen und es dabei umgekippt. Das Gestell ist auch etwas wackelig. Das Dach war auch etwas kurz geraten. Das habe ich kürzlich mit etwas Dachpappe, die ich noch vorrätig hatte, verlängert. Und wenn demnächst die Stürme und der Schnee kommen, wäre das Häuschen sicher nicht so gut, an dem Platz, wo es bisher stand. Also schaute ich mich um, was ich mache, um den Standort zu verbessern. Nach kurzer Überlegung habe ich einfach die Schrauben zum Standbein des Häuschens gelöst und stattdessen einen Schraubhaken obendrauf geschraubt. Dazu fand ich noch einen größeren zweiseitigen Haken, an dem mal ein Leuchter hing. Und als Befestigung muss nun der Laternenhalter an der Terasse dran glauben. Der hängt auch noch oberhalb von meinem Küchenfenster und in einer Nische, die von zwei Seiten wettergeschützt ist und trotzdem offensichtlich vom Feld her. So haben die kleinen Piepmätze den neuen Standort auch sofort entdeckt und es flattert wieder munter den ganzen Tag über. Und ich kann es von meinem Küchenfenster alles betrachten, und da stehn, wo es warm ist und trocken.

Ich habe während meiner Aktionen um die Vögel und dem Häuschen manchmal gedacht, was sich die Vögel wohl denken würden, wenn sie so denken könnten wie die Menschen. Vielleicht würden sie in mir auch eine Art Gott sehen. Schließlich sorge ich für sie, für ihr Futter und den richtigen Platz in der Kälte. Sie müssen sich allerdings das Futter selbst holen. Und sich vor der Kälte schützen müssen sie auch selbst. Einmal habe ich eine Katze weggescheucht, die da gerade vorbeischleichen wollte. Aber die war sowieso schon vorsichtig, weil auf dem Nachbargrundstück der Rottweiler schon lauernd und geifernd halb über dem Zaun hing.

Mir fiel der Ausspruch Jesu ein: "Sehet die Vögel an, sie säen nicht und ernten nicht, aber Gott versorgt sie gut. (frei zitiert) Das heißt doch, dass die Vögel nichts wirklich tun müssen, außer das versorgen annehmen und in Anspruch nehmen. Die Vögel machen sich keine Sorgen, ob morgen vielleicht der Vorrat noch reicht, weil der Futternapf offensichtlich nur kurze Zeit ausreicht und weil die Feinde rundherum auch vorhanden sind. Sie nehmen einfach, da wo es etwas gibt. Und sie wirken fröhlich und unbeschwert dabei. Lassen sich nicht unterkriegen, wenn sie mal angegriffen werden und nehmen die Chancen in ihrem Leben in die Hand ... ähm, ich meine,  in die Schnäbel, Flügel oder Beine.  Vielleicht kann ich ja von den Vögeln noch so manches lernen.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Gefühle spiegeln das Leben ...

... aber sie sind nicht das Leben !

Meine Gefühle äußern sich manchmal etwas einsam. Aber sie lassen sich nicht verändern dadurch, dass ich andere Menschen um mich herum habe. Im Gegenteil - oft empfinde ich diese Einsamkeit gerade dann, wenn ich mit Menschen zusammen bin. Weil das Zusammensein nur äußerlich stattfindet - und innerlich sind wir weit voneinander entfernt.

Heute spürte ich gute Gefühle, als ich in einer Diskussion eine innere Verbundenheit empfand. Es ging bei der Diskussion nicht um mich. Ich war nur ein kleiner Teil dabei. Aber wir versuchten gemeinsam, jeder auf seine Art, etwas zu beschreiben, was nicht so einfach mit Worten zu beschreiben geht.

Zunächst überlegte ich, was ich noch zu dieser Diskussion beitragen könnte. Dann dachte ich an die Person, der wir versuchten etwas zu vermitteln, wonach diese Person wahrscheinlich suchte. Ich brachte die Person im Gebet zu Gott und dankte dabei auch dafür, dass ich gerade dieses Gefühl der "Gemeinsamkeit gegen die Einsamkeit" spüren durfte. Und dann war ich plötzlich bei mir selbst ...

Schon oft habe ich bemerkt, dass Dinge, die mir positiv erschienen, nicht immer gleich empfinden kann. Irgendwie bemerkte ich, dass weder die Umgebung noch die Dinge, welche mir begegneten wiederholt werden könnten, um das zu erfahren, was ich positiv empfunden habe - und meines Glaubens gemäß als Berührung  von Gott empfunden habe.

Mir fällt dazu wieder einmal die Geschichte der Verklärung Jesu auf dem Berg mit einigen Jüngern ein. Auch hier, bei diesem außergewöhnlichen Erleben, wollte ein Jünger: Simon Petrus, diese Situation festhalten. Aber es war nicht möglich. Er musste wieder den Berg hinab steigen, in den Alltag. Aber nicht alleine - Jesus war mit ihnen. Und genau er war der Grund dieser Erfahrung. Ohne ihn gäbe es die Erfahrung nicht.

Ich denke, viele Unstimmigkeiten zwischen Glaubenden entstehen dadurch, dass man Situationen, die man selbst positiv erlebt hat, in ein Dogma verwandelt. Man setzt voraus, dass man sich genauso verhalten muß, wie es scheinbar das positive Erlebnis hervorgebracht hat. Man ist enttäuscht, wenn es nachläßt oder einfach nicht mehr eintrifft und man versucht es zu fixieren, indem man das "richtige" Handeln deklariert, um zu dem Ziel zu kommen, das man erreichen will, die gute Gefühle hervorrufen.

Es gibt auch Leute, die Gefühle ganz wegreden wollen, weil sie eben nicht auf eine bestimmte Art erzeugt werden können. Und bevor man enttäuscht wird, will man lieber überhaupt nicht darauf setzen. Dabei nimmt man sich selbst aber ganz viel vom Leben weg.

Wie ich nun heute morgen darüber nachdachte, wie ich nun zu meinen guten Gefühlen kam, suchte ich auch schon wieder nach dem "Anker" , an dem ich sie befestigen wollte. Und dann wurde mir bewusst, dass ich sie nicht erzeugen kann und nicht festhalten kann, sondern einfach mit allen Sinnen aufnehmen kann, solange sie mir zur Verfügung stehen. Heute zeigten sie mir, dass Einsamkeit viel mehr ist, als Alleinsein. Und dass ich die Chancen, die ich habe, wenn ich eine Art von "seelischer Gemeinsamkeit" erfahre, ich diese in diesem Augenblick nutzen kann, weil sie ein Geschenk sind. Aus diesen Augenblicken kann ich leben, auch in den Zeiten, wo sie fehlen. Wenn ich aber nur darauf bedacht bin, sie festzuhalten, dann kann es sein, dass sie an mir vorübergehen, bevor ich die Kraft daraus ausschöpfen konnte. Wieder einmal wurde mir bewusst, dass ich Chancen am ehesten dann wahrnehme und zu nutzen lerne, wenn ich auch die Dürrezeiten  "davor" kenne. Wenn man nur aus dem Vollen schöpfen kann und nie Mangel hat, weiß man es oft nicht zu schätzen. Dankbarkeit entsteht am ehesten dort, wo man Mangel kennt und da heraus Erfüllung erlebt.

Für mich ist Gott dabei der verlässliche Begleiter. Von ihm lerne ich, dass ich ihm vertrauen kann - gerade in Zeiten des Mangels. Weil ich weiß, dass er den Mangel ausfüllen kann. Und nach meiner Erfahrung ist es oft sogar so, dass eventuelle äußere Mängel gar keinen Einfluss mehr auf die Gefühle haben, wenn Gott mich anrührt. Da, wo ich mit Menschen zusammentreffe und wir gegenseitig unsere Seele berühren können, weil wir uns einig werden in unserem Anliegen - selbst wenn wir manches unterschiedlich erleben, da spüre ich, dass Gott nahe ist. Nein, viel mehr: Gott ist mittendrin und verbindet.

Denn Leben ist von Gott - oder noch mehr: Leben IST Gott.

Dies war jetzt wieder einer der schwachen Versuche, große Dinge mit Worten festzuhalten. Wenn ich mir die Worte anschaue, dann denke ich: es trifft nicht wirklich, ist nur eine Andeutung der Wirklichkeit. Aber ich möchte es doch mitteilen, weil es für mich Leben bedeutet, diese Erfahrung, die ich am Liebsten festhalten würde, die aber nur im darin Leben gute Frucht bringen kann.

Ich wünsche, dass durch die Worte einen Hauch von Leben zu euch rüberweht ...

Schönen Abend euch!

Sonntag, 14. Oktober 2012

Propheten

Oft schon habe ich über die Propheten im AT der Bibel nachgedacht und sie verglichen mit den Propheten der heutigen Zeit - und solche, die sich für Propheten halten.

Auffallend finde ich, dass die Propheten der Bibel meistens keinen "Erfolg" mit ihren Botschaften hatten. Kaum einer hörte ihnen wirklich zu.  So dass ich mich so manches Mal gefragt habe, was sie eigentlich für einen Sinn hatten. Einfach nur den, dass Gott sagen konnte: ich habe euch gewarnt - jetzt habt ihr das was ihr verdient? Bei vielen Propheten war es der König, der angesprochen wurde. Vielleicht darum, weil es sonst Keinen gab, der dem König die negativen Wahrheiten sagen konnte? Propheten verkündigten meistens das Gericht Gottes durch Zerstörung.

Auch heute gibt es Menschen, die prophezeien im Namen Gottes. Sie haben manche Anhänger, aber auch viele Kritiker. Und das Gericht, das sie ankündigen, trifft so wie es vorausgesagt wurde, meist nicht ein. Der Einfachheit halber hängen sich dann einige auch an eine bereits geschehene Katastrophe oder eine Tragödie an, mit der Botschaft, dass diese das Gericht Gottes sei.

Interessant ist, dass Jesus zu einer solchen Botschaft seine Beurteilung: "nicht zutreffend" gab. In Lukas 13,4 sagt er quasi, dass die Menschen, die von solch einer Katastrophe getroffen wurden, nicht schuldiger waren als diejenigen, welche nicht getroffen wurden. Offensichtlich gab es auch in dieser Zeit "Propheten", die dieses als Gericht darstellten - dem Jesus hier widerspricht.

So ganz unterschiedlich zu den meisten Geschichten über Propheten ist die Geschichte des Propheten Jona. Jona läuft vor einem prophetischen Auftrag weg und erlebt, dass er wieder zurückgeholt und erneut den Auftrag bekam. Als dann das Volk, dem er Gericht verkündigt hatte, Buße tat und zu Gott umkehrte, blieb das Gericht aus. Bemerkenswert ist dann die Klage des Propheten, in der er aussagt, dass er das ja schon von Anfang an gewusst hätte, dass Gott barmherzig wäre und das Gericht nicht ausführen würde.

Das klingt so ganz anders als die Beispiele der anderen Propheten und ich frage mich, woher Jona diese Erkenntnis nahm.  Stellt er damit nicht viele Gerichtsbotschaften anderer Propheten in Frage?

In der Geschichte von Jona sieht es so aus, als wenn sein Auftrag hauptsächlich zu seiner eigenen Lehre dient - und erst in zweiter Linie dem Volk in Ninive. Jona wurde gelehrt, dass Gottes Gericht nicht der Zerstörung dient sondern der Erneuerung - und das schon, lange bevor Jesus auf die Erde gekommen war.

Sehr oft wird in der Bibel Gott "gnädig und barmherzig" genannt. Wenn man die Geschichten um Kriege und Untergänge betrachtet, ist davon leider nicht sehr viel zu erkennen. Ist Gott gleichzeitig zerstörend wie barmherzig? Wie passt das zusammen?

Ich glaube, dass Menschen gerne Situationen, die ihnen selbst entgleiten, Gott zuschieben - oder dann wahlweise auch mal dem Satan. Wenn ich die Geschichten der Bibel genauer anschaue, erkenne ich, dass die zerstörerischen Situationen ausschließlich Menschenwerk ist. Und das läuft deshalb darauf hinaus, weil die Menschen ihre Werke ohne Gott tun wollen. Immer wieder heißt es, dass der Ruf von Gott erging: "Kehrt um zu mir!" Das ist immer der Kern der Botschaften, die von Gott ausgehen. Gerne wird dieser Ruf auch so ausgelegt, dass Gott die Zuwendung des Menschen braucht, um gnädig sein zu können. Dabei merkt man nicht, dass es ausschließlich der Mensch ist, der die Zuwendung Gottes braucht, damit er selbst im Leben zurechtkommt und nicht daran scheitert. Und wichtig ist auch in einer prophetischen Botschaft in erster Linie der Ruf zurück zu Gott.


Hiob und Gott


Im Forum trat die Frage auf, wie man die Aussage von Hiob im Vers aus Hiob 31,4 verstehen kann:
" Sieht er nicht meine Wege und zählt alle meine Schritte?"
 vor allem, wenn man mitten im Leiden steckt. Es wurde dabei festgestellt, dass auch eigene Freunde meist keine Glaubenshilfen geben können. Daraufhin hatte ich mir Gedanken gemacht und auch dazu etwas geschrieben - was ich hier in meinem Blog auch festhalten möchte:

Hiobs Leben und der Bericht in der Bibel darüber umfasst viele verschiedene Phasen und ich kann sie seit vielen Jahren immer mal wieder aus einem anderen Blickwinkel heraus erleben.

Gott sieht es, wenn du leidest und er sieht es, wenn Menschen dich enttäuschen.  Gott sieht dein Herz, wenn du meinst, er habe dich verlassen und er sucht den Weg zu deinem Herzen – mittendrin in dem Geschehen, in dem du jetzt gerade steckst.  Das sagt für mich diese Aussage des Hiobs aus.

Interessant ist hier nun, wie der einzelne Mensch dieses immerfort sehen von Gott empfindet.  Früher als Kind wurde es mir immer so vermittelt, dass Gott in erster Linie wie ein Richter auf seine Menschen  schauen würde und falsche Handlungen fast immer mit Strafe belegt, wenn wir nicht sofort  ernsthaft bereuen und um Entschuldigung bitten würden.

So ähnlich empfinde ich die Botschaft der Freunde Hiobs.  Am Ende der Geschichte kann man dann ja lesen, dass die Botschaft der Freunde nicht die Botschaft von Gott war. Aber im Grunde genommen wußten es die Freunde nicht anders, weil sie nur Beobachter waren und die Lage nach ihrer eigenen Erfahrung  beurteilten.  Mir sagt dieser Teil der Geschichte dabei nur, dass man niemals die Lage eines Menschen und seine Beziehung zu Gott  beurteilen sollte, wenn man nicht die gleichen Erfahrungen gemacht hat. Denn Gott kommt den Menschen immer in der Situation entgegen in der dieser gerade steht und spricht die Sprache, die dieser gerade versteht. Richtig war das Verhalten der Freunde nur am Anfang, als sie einfach nur zeigten: Wir sind da! Denn genau das ist die Botschaft, die Gott jedem Menschen in jeder Situation sagen möchte: „Ich bin da!“ und das bedeutet nach biblischer Sprache dasselbe wie „Fürchte dich nicht“.

Für mich bedeutet seit längerer Zeit die Botschaft von der Allgegenwart Gottes das Gleiche wie in Psalm 23 ausgedrückt wird: „ .. und wanderte ich im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Dein Stecken und dein Stab trösten mich.“

Freunde, die keine Glaubensstütze sind, können die Erwartungen, die man in sie steckt, vielleicht oft überhaupt nicht erfüllen.

Wenn sich deine Freunde einfach nur zu dir setzen würden und dir vermitteln: „Ich bin da“, wäre dies das Beste, was sie dir tun können. Solche, die eine gleiche Situation wie du erleben, wird es wohl selten geben. Damit KÖNNEN sie dir überhaupt keine wirkliche Unterstützung mit Worten geben, weil sie, wenn sie reden, nur ihre eigene Erfahrung mit deiner Situation vermischen könnten. Und das passt meistens nicht.

Als Hiob anfing, seine Klagen vor Gott auszubreiten, an dieser Stelle wird von den Lesern oft vermutet, dass es nicht Gott angemessen wäre.  Ich persönlich denke, dass sich genau an dieser Stelle der Hiob auf dem richtigen Weg befand. Denn erst danach war er auch offen für das was Gott ihm zu sagen hatte. Das Gerede der Freunde hat ihn wahrscheinlich auf die falsche Fährte gebracht und deshalb brauchte Hiob eine Weile, bis er den Weg direkt zu Gott fand.  Das einzig Richtige, was die Freunde Hiob hätten raten sollen wäre, meiner Meinung nach: „Rede mit Gott darüber“. Ohne irgendwelche Vorhersagen und ohne Beurteilung, wie er zu reden hätte, sollte Hiob sein Herz „ausschütten“ … genau deshalb, damit es frei wird, um Gott zu erfahren.

Ich glaube, wir schauen immer viel zu viel auf die Worte, und versuchen, diese zu interpretieren und zu beurteilen. Auch die Worte von Gott beurteilen wir meist so. Und so klingt dann evtl. sogar die Frage von Gott: „Wo warst du …?“, als wenn sie ein Vorwurf war. Ich glaube, die Worte waren in diesem Moment höchstens zweitrangig, die von Hiob und die von Gott. Die Heilung bei Hiob (bevor sein Körper Heilung erlebte) geschah mit dem Moment, wo Gott ihn ansprach. Und dann kann man die Frage von Gott auch sehr positiv sehen – so etwa: „Ich, der unfassbare Gott, neige mich zu dir, um dir zuzuhören und dich anzurühren“. 

Jedenfalls ist allein durch die Gottesbegegnung für Hiob eine Wandlung geschehen. Er fing an, Gott zu loben. Nicht, weil er es musste, sondern aus vollstem Herzen. Alle Mühsal und alles Leid waren nicht mehr wichtig. Er wurde berührt von Gott.

Ich glaube, eine größere Erfahrung kann kein Mensch haben. Und die Botschaft, die Gott damit gibt, dass er sich dem einzelnen Menschen zuwendet, ist viel mächtiger als wenn er irgendwelche irdischen Wunderwerke zeigt.  Das ist etwas, was nur der Betroffene verstehen kann. Kein Freund und kein Therapeut wird diese „Heilung“ toppen können.  Sie geschieht selbst dann, wenn Beobachter diese Heilung nicht erkennen können. 

Gott sieht deine Wege! Das ist mehr, viel mehr, als irgendein Mensch an Empathie ausdrücken kann. Denn Gott sieht dein Herz und er sucht den Weg zu deinem Herzen. Dafür gibt es keine Gebrauchsanweisung oder sonstige Musterbeispiele. Begegnungen mit Gott sind einzigartig und immer heilsam. Sie fangen, nach meiner Erfahrung dort an, wo Menschen Gott „ihr Herz ausschütten“ – so dass er es füllen kann.

Samstag, 13. Oktober 2012

Kämpfe, die das Leben bereichern.

Durch den fundamentalistischen christlichen Glauben, mit dem ich schon von Anfang und lange Zeit meines bisherigen Lebens konfrontiert wurde, bedeuteten die negativen Dinge und erfühlten Widrigkeiten im Leben immer, dass man im Leben gegen Gegner kämpfen müsse. Ich empfand Kampf immer nur als mühsam und übte mich eher darin, Kämpfen auszuweichen. Denn im Kindergottesdienst und auch zu Hause wurde mir vermittelt, dass Gott das Leben so wie es jetzt ist, nicht gewollt habe und dass wir alles hassen müssten, was die vermeintliche "Ordnung Gottes" stört, um auf Gottes Spuren zu bleiben.

Durch viele neue Impulse in meiner Beziehung zu Gott erfahre ich zur Zeit, dass die Kämpfe des Lebens auch positiv angegangen werden können. Dann kämpfe ich nicht mehr gegen etwas, sondern für das Leben. Indem ich aus dem negativen die positiven Impulse erkenne und nutze - mit Gottes Hilfe, kann ich erfahren, wie scheinbar krumme Wege ein gutes sinnvolles Ziel bekommen.

Heute morgen dachte ich gerade daran, dass eine Zeit, die ich vordergründig oft als Stress empfunden habe und auch von Beobachtern als Stresszeit beurteilt wurde, mir gerade den Auftakt gab, zur Erweiterung meines Horizonts und letztlich auch der Befreiung diente, des Glaubens, Gegner bekämpfen zu müssen, um den "richtigen Weg" zu finden.

Die Zeit, wo ich ein paar Jahre zunächst mit meinem ExMann und danach auch alleine jede Nacht ab 2 Uhr unterwegs war, um Zeitungen auszutragen. Es hat nicht lange gedauert, da habe ich meist insgeheim diese Zeit genossen. Schon allein die Atmosphäre Nachts, wenn kein Mensch sonst unterwegs ist. Man hat das Gefühl, allein mit Gott zu sein und näher, als man es je am hellichten Tag sein kann. Dadurch, dass am Anfang mein ExMann immer die Seitenstraßen mit seinem Auto übernahm, hatte ich auch in der Zeit, wo wir zusammen arbeiteten immer längere Strecken alleine und wertvolle Zeit, wo ich diese Zweisamkeit mit Gott auskosten konnte. Es gab kaum eine Nacht, in der ich nicht spürte, von Gott angesprochen zu werden. Das Interessante und zunächst für mich irritierende war, dass ich oft die tiefen und beeindruckenden Gedanken in der Nacht zur Erinnerung tagsüber aufschreiben wollte, aber nicht wirklich Worte dafür fand. Für mich selbst hatte ich die Botschaften aufgenommen, aber weitergeben konnte ich sie nicht wirklich. Und wenn ich es versuchte, kamen sie mir nur unvollkommen vor. Ich erlebte, dass Botschaften Gottes mich ganz persönlich auf sehr berührende Weise erreichten. Und diese zeigten u.a. Befreiung von der Vorstellung, dass Leben das Kämpfen gegen einen Gegner sei.

Wie tief diese Vorstellung sitzt, wenn man sie praktisch mit seiner Muttermilch aufnimmt, merke ich immer wieder im wirklichen Leben. Aber gerade weil ich es vorher so extrem in die eine Richtung erfahren habe, kann ich jetzt die Befreiung davon umso stärker erleben. Kämpfen war früher immer für mich mühsam und eher wert, dem Kampf auszuweichen um Kräfte zu sparen. Inzwischen erlebe ich Kampf belebend als Herausforderung. Und das Ergebnis ist so reichhaltig, dass es anreizt, weiterzumachen - selbst dann, wenn manchmal die Kräfte nachzulassen scheinen.

Nicht nur durch Glaubensmuster wird gerade auch heutzutage "Kampf" häufig mit "Krieg" gleichgesetzt. Ich entdecke aber zunehmend, dass allein, wenn man seine Gedanken in Kampfsitutionen von dem kleinen Wörtchen "gegen" auf das "für" umlenkt, kann man wirklich Qualität des Lebens erleben.

Dienstag, 9. Oktober 2012

"Wahrheit" gesucht !

Auch wenn ich hier nicht so viel in meiner Umzugsphase geschrieben habe, erlebte ich diese Zeit doch sehr intensiv beim Nachdenken über Fragen des Lebens in der Verbindung zu Gott.

Ich habe schon überlegt, wie die die vielen Gedanken hier beschreiben kann. Aber irgendwie sind es zu viele, die miteinander verwoben sind, als dass ich sie selbst noch wirklich nachvollziehen könnte.

In zwei Foren tauchten in den letzten Tagen Themen auf, die eigentlich diese Fragen des Lebens bündeln und anderseits auch wieder in ihrer Fülle unendlich scheinen lassen. In dem einen Forum geht es um die Frage: "Was ist Wahrheit" und in dem anderen geht es um "die Realität".

Bis jetzt kann ich als Antwort in diesen Diskussionen nur zu dem Ergebnis kommen, dass es die absolute Wahrheit oder Realität nicht wirklich gibt. Darum wird man auch, wenn man danach sucht, sein ganzes Leben dazu brauchen, um den Teil der Wahrheit zu erkennen, der für das eigene Leben maßgebend ist.

Ich hatte in unter dem Thema "Wahrheit" gerade in einem Katalog eine Hose angeboten gefunden, die "wahrhaftig schlank macht". Jedem wird natürlich klar sein, dass die Hose nicht wirklich schlank machen kann. Aber sie kann die Problemzonen so vertuschen, dass es scheint, als wenn man so wäre, wie man gerne sein würde, es aber nicht wirklich ist. Mein Fazit aus diesem Beispiel lautete: "Wahrheit ist nicht das, was man darstellt oder zu sehen meint, sondern das was man ist".

In dem "Realitätsforum" wurde ein Buch vorgeschlagen, desse Titel mich gereizt hat, dass ich ihn mir gleich bestellt habe.
Der Titel ist:" Was, wenn es nur so aussieht, als wäre ich da? "

Es ist sehr interessant und zeigt, dass wir Gegensätze brauchen, um überhaupt etwas wahrnehmen zu können.

Das, was wir gerne als "Wahrheit" darstellen, ist meistens das, was wir im Moment für "richtig" empfinden. Manchmal halten wir so fest an dem, was wir für "richtig" empfunden haben, dass wir starr und unempfänglich für Veränderungen sind. Veränderungen bedeuten aber "Leben".

Das ist nun ein so unerschöpfliches Thema, dass schon allein die Gedanken hierzu, die ich heute morgen hatte, einige Seiten füllen würden. Ich entdecke überall auf meinem Weg Gegensätze, die ich darum wahrnehme, weil es eben ein Spiegelbild dazu gibt. Ich verstehe gerade meinen Part darin, dass ich Beides zulassen kann: das was ich im Moment für "richtig" empfinde und das, was ich gefühlsmäßig momentan ablehne. Beides braucht einander, damit ich es erlebe.

Heute regnet es. Ich empfinde heute diesen Regen nicht negativ - eher neutral. Es ist relativ mild dabei und ich habe einen Schirm, der mich einigermaßen schützt. Außerdem ein warmes trockenes ZuHause, wo ich nassgewordene Kleidung ablegen kann. Ich stehe unter keinem Druck heute und darf einfach "sein".

Es gibt aber Zeiten, in denen ich den Regen bedrückend empfinde. Da, wo ich gezwungen bin, länger in den nassen Klamotten zu sein oder da, wo ich sowieso gerade irgendwo unter Druck stehe, und der negative Aspekt des Regens sich mit diesem Druck vereint und dadurch vergrößert.

Wasser ist gut und wir brauchen es dringend zum Leben. Aber Wasser kann auch negative Kräfte erwirken und so alles andere negativ beeinflussen.  Was ist die Wahrheit hierin?

*grins* ... okay, ich philosophiere ... und es macht mir Spass. Möglicherweise macht es manchem keinen Spass, weil das Ergebnis gerade negative Kräfte in einem aktiviert.

Ich bin dabei, zu lernen, wie man Gegensätze ausgewogen erleben kann. Und das ist spannend.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Angekommen

Ich habe das Gefühl, heute wurde mein Gefühl für mein neues Zuhause angeknipst. Bis jetzt kam ich mir so in Etwa vor, wie als wenn ich bei mir selbst zu Besuch wäre. Aber heute fühle ich mich daheim.

Toll fand ich meine neue Wohnung schon die ganze Zeit. Und ich bin immer mal wieder von einem Zimmer zum anderen gegangen und habe zu mir selbst gesagt: "Toll!" - Also, nicht dass ihr denkt, ich habe jetzt eine Riesenwohnung. Es ist eine Zweizimmer-Wohnung. Aber wenn man die Küche und das Badezimmer noch dazu zählt, sind es vier ganze abgeschlossene Räume. Und dazu geht auch noch hinter einer anderen Tür eine schmale Treppe zu einem kleinen Keller. Echt cool !

Naja - bis jetzt hatte ich immer noch irgendwo in der Wohnung einige Kartons herumstehen. Die Wohnung macht sich zwar auch mit Kartons ganz gut. Aber heute habe ich mal alles, was nicht mehr in die Schränke passte und seltener gebraucht wird, in den Keller geräumt. Danach habe ich mich auf mein Bett gelegt und tief durchgeschnauft, weil's so schön war.

Ja, jetzt glaube ich, ich bin zu Hause, in meiner Wohnung, die ich ganz so nutzen kann und darf, wie es mir gefällt. Da kommt sicher noch manche Deko hinzu und vielleicht wird ab und zu noch ein wenig Möbelrücken  gespielt. Aber es ist toll.

Ich danke meinem Gott für sein umfassendes Versorgen bis hierher. Immer mal zwischendurch denke ich darüber nach, dass ich es nicht verdient habe und darum spüre: Gott geht mit mir, bei ihm bin ich geborgen, was immer geschieht. Und manchmal kommt es mir so vor, als wenn er mich leise fragt: "Hast du je Mangel gehabt?" und ich sage: "Nein, nie - ich hatte immer reichlich genug". - Danke!

Freitag, 21. September 2012

Aus der Dunkelheit ins Licht.

Aus der Ferne sah ich kürzlich eine junge Frau auf einem unwegsamen Gelände in einer dunklen Ecke weinen. Ich glaubte, ich kannte diese Frau, konnte aber nicht zu ihr kommen. Ich hörte, wie sie eine wundervolle Zeit beweinte, die sie verloren hat. Ihr Herz war gebrochen, weil sie erkannte, dass sie die Zeit, in der sie mit einem geliebten Menschen zusammen war, kaum wirklich wahrgenommen hatte und deshalb nicht ausgekostet hat. Sie weinte um ihre Fehler, die diese wundervolle Zeit abgebrochen hätte und erkannte gerade jetzt, dass sie unwiederbringlich vorbei ist. Aus der Traum...

Mein Herz weinte mit ihr und ich wäre sehr gerne zu ihr geeilt, hätte sie in meine Arme genommen und mit ihr so lange geweint, bis sie in ihrer dunklen Ecke einen Lichtstrahl sehen könnte. Aber es  war ein Graben zwischen uns, der nicht überbrückbar war. So tat ich das, was mir in dem Moment als einzige Möglichkeit zur Verfügung stand. Ich nahm sie auf mit meinem Herzen und legte sie behutsam vor Gott hin, in dem Bewusstsein, dass es für Gott keine Grenzen gibt, die er nicht überwinden könnte. Und dass Gott in Herzen schauen kann und mehr Licht zur Verfügung hat, als ich je selbst erfassen könnte.

Ja, ich kenne dieses Weinen um verpasste oder verpatzte Gelegenheiten sehr gut. Gerade die Unwiederbringlichkeit und die Erkenntnis der eigenen Fehler in diesem Spiel lassen die Trauer oft unermesslich groß erscheinen. Ein kleines Licht, das mir in solche Situationen immer wieder leuchtet ist die Erinnerung und die Erkenntnis an die Zeiten, die "gut" waren. Manchmal kann ich solche Zeiten erst im Nachhinein wirklich genießen, weil ich sie mitten drin nicht wirklich erkannt habe. Ja, manchmal erkenne ich sogar, dass erst in den Momenten, wo ich diese Zeiten als unwiederbringliche Vergangenheit mir bewusst wurde, dass es gute Zeiten waren. Ist es nicht oft so, dass im Rückblick die schönen Zeiten erst in ihrer ganzen Pracht glänzen - viel heller, als in den Zeiten darin?

Ich dachte da heute Morgen wieder an Hiob. An seine Aussage, dass er das Böse genauso wie das Gute annehmen will. Ich könnte mir vorstellen, dass Hiob das garnicht so frustriert ergeben gemeint hat, wie es manchmal verstanden wird. Ich halte es für möglich, dass Hiob erst in dem Moment, in dem er das verlor, was er hatte, erkannte, welchen Reichtum er besessen hat. Und dass gerade die Erinnerung daran ihn aufrecht erhalten hat - in aller Trauer um die scheinbar verloren gegangene Zeit.

Trauer braucht der Mensch oft, um Zeiten gebührend zu beweinen, die man im alltäglichen Allerlei kaum wahrgenommen hat. Die Freunde Hiobs taten zunächst das Beste, was sie tun konnten: sie weinten mit ihm. Aber dann waren sie unfähig, in dieser Haltung zu verweilen, weil sie die ganze Trauer nicht ermessen konnten. Und sie meinten, Probleme lösen zu müssen mit Worten. Dass sie damit aber nur zerstörten, bemerkten sie überhaupt nicht.

Den Lichtstrahl, der Hiob in der Dunkelheit erreichte, kam von Gott selbst. Und genau dieser Lichtstrahl gab dem Hiob die Sicht, das Gute wie auch das Böse in seinem Leben so zu erkennen, dass es "gut" wurde. Und das nicht erst an der Stelle, wo er neuen Reichtum von Gott bekam. Nicht der Reichtum war es, der Hiob aus der Dunkelheit ins Licht verhalf und alles "gut" macht, sondern die Begegnung mit Gott. Gerade die Erkenntnis, dass Gott unermeßlich ist und alle Grenzen der Welt gesetzt hat, sowie er auch diese Grenzen überwinden kann, hat Hiob den Frieden ins Herz gegeben, der ihm die Möglichkeiten zeigte, neue wundervolle Zeiten zu erleben, und diese dann wirklich in der Gegenwart wahrzunehmen und genießen.

Das Geheimnis des Hiob und ich denke auch, das Geheimnis des Leidens liegt darin, es anzunehmen, in der Gegenwart Gottes. Nicht frustriert, sondern staunend über das Wundervolle, das uns oft verborgen ist und gerade im Leiden erst erkannt wird. Das Licht von Gott ausgehend kann Dunkelheit verdrängen und wundervolle Zeiten erstrahlen lassen, die die Dunkelheit und die eigenen Fehler verdrängt. Licht zeigt Chancen auf die im Dunkeln verborgen sind, die wir nutzen dürfen - egal, in welches Schlamassel wir uns möglicherweise selbst gebracht haben.

Oft bin ich genauso sprachlos wie die Freunde Hiobs am Anfang. Ich möchte lernen, das nicht überspielen zu wollen mit Worten, sondern einfach mittragen, mit sehendem Herzen, was der Mensch braucht. Das Beste, was ich tun kann, ist den Leidenden Gott vor die Füße zu legen. Da liegen die Chancen und da ist das Licht, in dem sie erkannt werden können. Und dort kann die Erinnerung wieder leuchten, dass man sie im Herzen tragen kann, als einen Schatz, den niemand wegnehmen kann.

Mittwoch, 19. September 2012

Versöhnung mit der Vergangenheit

Nachdem ich meinen Freunden und näheren Bekannten per Rundmail meine neue Adresse mitgeteilt habe, kommen einige Rückmeldungen und ich mit einigen aus meinem früheren Wohnort wieder ins Gespräch. Gerade auch zum Teil dort, wo der Kontakt eingeschlafen war, weil es schien, dass man in zwei verschiedenen Welten lebt.

Natürlich wird das Aufleben von Kontakten auch begünstigt durch die Rückkehr meiner Söhne dorthin. Aber ich spüre, auch bei mir hat sich etwas verändert.

Die ganzen letzten, mehr als sechs Jahre, die ich hier im Süden wohne, schien es mir, als wenn der Ort, an dem ich immerhin 23 Jahre lang gewohnt habe, weit weg sei. Meine Lebensphase dort erschien mir manchmal so, als wenn ich nur Zuschauer gewesen wäre - anstatt mittendrin in diesem Leben gewesen zu sein.

Sicher hat das etwas mit Verdrängen zu tun. Man sagt ja oft, dass verdrängen nicht gut sei, weil einem irgendwann die Vergangenheit wieder einholt. Mir hat es aber gut getan und dazu verholfen, dass ich verschiedene Dinge in Ruhe verarbeiten konnte und den nötigen Abstand dazu bekomme. Inzwischen empfinde ich den Gedanken, im Urlaub mal einen Besuch dort zu machen und alle meine Freunde wieder zu treffen, als erfreulich. Bisher hatte ich einen Besuch bei Rückfragen immer weit von mir gewiesen - genauso, wie ich empfunden habe.

Wenn mich jetzt meine Vergangenheit wieder einholt,  denke ich, bin ich stark genug, um Ich-selbst zu sein und bleiben und meine Grenzen aufzuzeigen - und die schönen Dinge aus dieser Zeit in der Erinnerung zu genießen. Manchmal braucht man auch das Verdrängen und es kann hilfreich sein, sich mit der eigenen Vergangenheit zu versöhnen, um mit ihr in der Gegenwart leben zu können.


Donnerstag, 13. September 2012

Eine Wohnung haben meine Söhne jetzt auch gefunden!

Heute rief der ältere von Beiden an und sagte, dass es nun endlich geklappt hätte.
Ich bin so froh und wünsche ihnen alles Gute dort.

Was ist richtig? - Glaube als Wahrheit oder unvollkommener Glaube an den Gott der Wahrheit?

In einem Forum stellt ein User, der den christlichen Glauben ziemlich gut kennt aber nicht nachvollziehen kann, immer wieder dieselben Fragen und findet keine Antwort - egal, was ihm von Glaubenden vermittelt wurde. Ich hatte auch schon etliche Gespräche mit ihm. Heute habe ich einen Beitrag an ihn geschrieben, den ich mir selbst festhalten möchte. Darum kopiere ich ihn hier:


Hallo *****,

ich mag deine immer wiederkehrenden Fragen. 
Sie regen mich zum Nachdenken an und zeigen mir, wie unvollkommen meine Worte sind mit denen ich „meinen Glauben“ beschreiben kann.

So habe ich, nach dem (scheinbaren) Ende unseres Gesprächs hier, wieder nachgedacht.  Dabei habe ich festgestellt, dass gerade diese Unvollkommenheit für mich ein Hinweis darauf ist, dass ich auf einem guten Weg bin.

Zunächst habe ich überlegt, woran es liegen könnte, dass manche Menschen die nach Gott fragen, ihn nicht wahrnehmen können.  So schickte ich erst einmal ein Gebet zu ihm, dass er dir doch bitte Antworten auf deine Fragen geben möge, so wie du sie verstehst. Denn eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass er schon Antworten gegeben hat – du diese, aus welchem Grund auch immer, nur nicht verstehen kannst.

Mir fiel dann auf, dass ich die Zeiten, in denen ich Gott spüre, nur wenig festhalten kann. Eine Zeitlang dachte ich, es wäre der Ort, wo ich gerade bin, der mich inspiriert. Aber auch an den Orten, die meinen Wünschen entsprachen, gab es Zeiten, an denen es mir schien, als sei Gott ganz weit weg.  Inzwischen weiß ich, dass das „Drumherum“ ganz egal ist. Ausschlaggebend ist dafür, dass ich für ein paar Augenblicke gerade das Drumherum ganz und gar loslasse – und mich Gott zuwende.

Heute Morgen ist mir gerade wieder besonders aufgefallen, wann es „passierte“.  Ich saß beim frühstücken und dachte über manches nach,  was vielleicht an diesem Tag auf mich zukommen würde. Ich betete zwar auch dabei, aber merkte, dass ich in dem alltäglichen allerlei „gefangen war“. Und dann lehnte ich mich zurück und schaute nach draußen – dorthin, wo zwischen den Häusern um mich herum ein grüner Hang und Bäume zu sehen sind. Und ich spürte: jetzt bin ich auf dem richtigen Weg. – Ich weiß aber, dass es NICHT deshalb war, weil an dieser Grünfläche Gott so ganz besonders wäre, weil  das seine Schöpfung ist (was ich eine Zeitlang so ausgelegt hätte). Sondern ich wusste, dass es deshalb „geschah“, weil  ich alles was mich am Alltäglichen festhalten wollte, losließ – und mich NUR Gott zuwandte.

Was mir bei dem Austausch mit dir auch immer mal wieder auffällt, das ist deine, manchmal fast verzweifelt klingende Feststellung, dass du schon ein gewisses Alter erreicht hast und die Zeit knapp würde, in der du das, was „richtig“ ist noch finden könntest.
Nun – ich bin altersmäßig auch nicht mehr so ganz frisch ;-)
…und ich weiß, dass ich noch lange nicht dort angekommen bin, zu sagen, ich kenne nun die ganze Wahrheit.  Wenn ich aber genau überlege, dann stelle ich fest, dass es gerade diese Feststellung  für mich ein wichtiger Hinweis zu den Momenten ist, in denen ich Gottes Reden erfahre.

Eine lange Zeit glaubte ich, dass Gottes Reden und seine Spuren in meinem Leben ein „Beweis“ dafür seien, dass mein Glaube „richtig“ sei.  Inzwischen habe ich aber erkannt, dass es überhaupt nicht maßgebend ist und ich nicht wirklich soweit kommen kann in diesem Leben, die „einzige Wahrheit“, welche Gott IST, überhaupt zu erfassen. Ich kann bestenfalls ein winziges Stück dieser Wahrheit erkennen. Und gerade diese Erkenntnis ist sehr wichtig, um fähig zu werden, mehr von der Wahrheit zu erfahren.

An einer Stelle, wo das, was ich als „richtig“ erkannt hatte, plötzlich so  ausging, als wenn überhaupt nichts davon richtig sei, merkte ich erst, dass es das nicht sein kann.
Zunächst habe ich da auch nur noch gezweifelt und mich gefragt, was ich denn nun überhaupt noch glauben könne. Und dann hat mir Gott stückchenweise  gezeigt, dass es nicht darauf ankommt, dass ich „richtig“ glaube, sondern dass mein Glaube auf Gott gerichtet ist.  Denn Gott hat sich zwar für die Menschen erfahrbar gemacht, in dem Rahmen der Möglichkeiten des Einzelnen – aber die „Wahrheit“ oder das was vollkommen „richtig“ ist, kann kein Mensch wirklich erfassen.

Ich denke, das ist der Punkt, an dem viele Glaubende ihr Problem haben. Man möchte Gott nicht nur erfahren, sondern ihn auch festhalten können – zur eigenen Sicherheit. Dafür muss man einen Rahmen mit Grenzen finden, in den man den eigenen Glauben befestigt. Dieser Rahmen muß verteidigt werden, mit allen Konsequenzen, bis zur Bekämpfung des Glaubens der „Anderen“ – damit nicht der eigene Glaube ins Wanken gerät.

„Ich weiß, dass ich Nichts weiß“ – hat irgendein weiser Mensch mal gesagt. Und gerade diese Erkenntnis hat in mir das Bewusstsein geschaffen,  dass ich auf einem guten Weg bin, weil ich von Gott begleitet werde. An den Punkten, wo ich Erfahrungen mit Gott mache und gleichzeitig weiß, dass meine Erfahrung nur ein winziger Effekt von der „ganzen Wahrheit“, die in Gott ist, bin ich mir sicher, dass Gott mir begegnet ist.

Ich habe den enormen Druck, „richtig“ glauben zu müssen, fallen gelassen – und fühle mich unendlich befreit. Kein Teufel und kein anderer Feind kann mir diese Freiheit rauben. Denn mein Glaube ist auf den gerichtet, der die einzige Wahrheit ist – und das ist viel mehr, als ich jemals glauben kann.

Nun kann natürlich, wie schon so oft, bei dir wieder die Frage auftauchen, dass dies doch auch alles Einbildung sein kann … wie so manches im Leben.

Ich sage dazu: Na und? Jawohl, das kann es! Aber das ist nicht mehr wichtig. Ich bin frei und fühle mich nicht mehr unter Druck. Ich habe Lebensqualität entdeckt, die wirklich funktioniert und nicht erst so gebogen werden muss, dass sie in ein Glaubensmuster passt. Was will ich mehr?

Wenn Gott und der Glaube an ihn wirklich Einbildung wäre (ich bin mir FÜR MICH sicher, dass er es nicht ist) dann ist diese Art zu leben jedenfalls ein Leben mit Qualität und ohne der ständigen Angst, auf dem falschen Weg zu sein.

Wenn es aber Gott gibt und er der Ursprung unseres Lebens ist(davon gehe ICH persönlich aus), dann ist ER das beste und die sicherste Fundament, was man für einen Glauben haben kann. Es gibt keines, was diesem gleich ist. Mehr brauche ich nicht.

Samstag, 8. September 2012

Macht oder Opfer gegen die Liebe

In dem Buch, welches ich kürzlich gelesen habe und es hier vorgestellt habe, gab es einige Passagen, die ich interessant fand, darüber nachzudenken.
Es geht dort um die Zeit in der Jesus durch Galiläa wanderte und seine Spuren hinterließ. Seine Aussagen wurden hier aus der Sicht eines Juden und der jüdischen Religion von einem fiktiven Zeitgenossen dargestellt.

Ein Abschnitt daraus möchte ich hier mal zitieren:

"Jede Gruppe und jeder Mensch sucht sich auf Kosten anderer zu behaupten. Jeder hat gelernt, dass wir die Schwachen schonen müssen. Aber in Konflikten sind wir bereit, andere für uns zu opfern - aus Angst selbst zugrundezugehen."

In der Geschichte ergab sich dieses Fazit aus dem Handeln der Menschen, die an der Kreuzigung Jesu direkt oder indirekt beteiligt waren.

Weil  dort immer die Situationen dargestellt wurden, in denen die betreffenden Personen (möglicherweise) gesteckt haben, kann man im Blick darauf diese Schandtaten nicht mehr so weit von sich weisen und mit den Fingern auf die Schuldigen zeigen. Beim Nachdenken wurde mir durchaus bewusst, dass auch ich solche "Opfer" schon benutzt habe. Diese haben zwar weniger weitreichende Folgen gehabt und waren für Beobachter weniger erkennbar, aber wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich, dass ich selbst genauso fähig bin, Menschen für meine Belange zu opfern wie die Menschen damals, bei der Kreuzigung.

Man kommt leicht in die Lage, solches zu tun, wenn man irgendwelche Macht besitzt. Macht, die an der Schwachheit der Unterlegenen wächst und ausarten kann. Man hat Angst selbst Unterlegener zu werden und benutzt die Macht, die man hat, um das zu verhindern.

Das hört sich vielleicht für manche Leute so an, als wenn sie nie in diese Lage kämen. Aber es fängt im Kleinen an. Schon Kinder nutzen die unterschiedliche Stärke aus um einander überlegen zu sein. Sie nutzen die Schwächen der Eltern aus um etwas zu bekommen, was sie nicht bekommen sollten. Selbst, oder vielleicht gerade dann, wenn man die Macht von Überlegenen als Last empfindet, neigt man dazu, Schwächen von anderen auszunutzen, um selbst nicht zum Unterlegenen zu werden.

Wenn man mal anfängt darüber nachzudenken, dann geht das in sämtliche Bereiche. Auch und gerade vielleicht dort, wo man Schwächeren helfen möchte. Man neigt dazu, wenn man denkt, man wüsste, was das Beste für Jemanden ist, das Opfer zu manipulieren, damit es das so sieht, wie man selbst. Gleichzeitig gibt einem das ein Gefühl der Macht. Und damit konnten bisher kaum Menschen richtig umgehen.

Jesus war da anders. Er wurde freiwillig Diener der Schwachen, um diese zu stärken. Er hatte die Macht die er besass, dazu benutzt, Menschen, die Opfer wurden, zu zeigen, dass Liebe viel mächtiger ist und unempfindlicher gegen Machtausübung anderer zu werden. So dass Opfer nicht Opfer bleiben mussten, selbst wenn es so aussah, als wären sie welche.

Man kann diese Beispiele im eigenen Erleben immer weiter ausführen. Daran kann man lernen, dass nicht die Macht der Unterdrückung letzendlich zum Sieger macht, sondern die Liebe.