Copyright

© Copyright von allen Texten und Grafiken liegt bei mir!
Verantwortung für externe Links liegt bei dem Betreiber der verlinkten Seite!
Kontaktaufnahme über PN-Fenster - s.u.

Dienstag, 9. Juli 2024

Erinnerungen offen ... (Anmerkungen zum Blog - ggf. mit lfd. Updates)

 Um die Erinnerungen übersichtlich zu behalten, werde ich hier in diesem Blog nur noch Ergänzungen und neue Erinnerungen dazu schreiben.

Zwischendurch hatte ich aber immer mal wieder das Bedürfnis, neue Gedanken schriftlich festzuhalten. 

Darum habe ich für neue Einträge, die nicht zu den Erinnerungen gehören, einen neuen Blog eröffnet. 

Der Link dahin - Ehra's Zeiten - Fortsetzun


Nachtrag: Ich habe jetzt die Möglichkeit entdeckt, dass ich durch eine Änderung des Datums Einträge verschieben kann. Auf diese Weise werde ich diesen Eintrag zur Info auch immer wieder so verschieben, dass er hier am Anfang der Startseite steht.

So kann es also passieren, dass hier Einträge in den Erinnerungen erscheinen, die schon vor einigen Jahren geschrieben wurden (z.T. auch kommentiert wurden). 

Ich werde jedenfalls bei jedem verschobenen Eintrag das Original-Datum in der Überschrift angeben, damit nichts verfälscht wird. Besonders auch, weil am Anfang oft Kommentare drunter stehen.


Die Ära "Erinnerungen" beginnt  Anfang 2023 und ist nun offen, solange ich noch schreiben kann.

Man kann rechts auf die Jahreszahl, dann auf den Monat klicken, um zu den einzelnen Einträgen zu gelangen. 

Unterhalb der Seite kann man über "Neuerer Post" und "Älterer Post" vor- und zurückblättern.

Sonntag, 7. Juli 2024

Erinnerung an Krankenhauszeiten ....Eintrag vom 05.02.2014 über Datumsänderung in die Ära "Erinnerungen" gezogen

Dreimal war ich als Kind im Krankenhaus. Das erste Mal, um den Blinddarm heraus operiert zu bekommen. Da war ich so ungefähr 5 Jahre alt. Ich erinnere mich da an Kinder in meinem Zimmer. Einer von ihnen war geistig behindert. Und mir wurde in der Zeit beigebracht, dass man nicht über dessen komische Grimassen lachen dürfe. Der Junge saß in einem Gitterbett. Er war im Krankenhaus, weil er Verbrennungen am Körper hatte.  - Zu dieser Zeit ging es genau umgekehrt wie es heute gemacht wird, dass man Eltern und Kinder zusammen aufnimmt, wenn möglich. Damals  durfte man als Kind nicht zeigen, dass man Heimweh hatte. Sonst wurde gedroht, dass die Eltern nicht mehr zu Besuch kommen dürfen. Besuchen durfte man damals ohnehin nur zur vorgeschriebenen Besuchszeit. Und in der Kinderstation durften auch nur erwachsene Besucher in die Zimmer. Kinder mussten draußen vor dem Fenster bleiben. Die Besuchszeit war so ungefähr dreimal die Woche, etwa zwei Stunden lang. Eigentlich kam ich zwischendrin ganz gut klar. Aber wenn mich meine Mutter besucht hatte und wieder gehen musste, habe ich regelmäßig geweint. Und erst aufgehört, wenn mir gedroht wurde, dass Mutter sonst nicht mehr kommen dürfe. Zur OP selbst erinnere ich mich noch an die Narkose. Die wurde mit Hilfe einer Maske gegeben, die komisch roch. Ich sollte zählen. Das ging nur ganz langsam. Zwischen den Zahlen musste ich immer einmal ein- und wieder ausatmen. Ich sagte vorher zu dem Arzt, dass ich aber nur bis 13 zählen könne. So zählte ich erst einmal bis 10 und der Arzt sagte, ich solle wieder von vorne anfangen. Da bin ich dann nicht mehr weit gekommen. - Das erste, was ich nach dem Aufwachen bewusst wahrnehmen konnte, war dass ich wieder in dem Zimmer lag, bei den Kindern. Die Kinder erzählten mir nachher, dass es Probleme mit dem Aufwachen gab. Dass man versucht hätte, mich zu wecken und das erst nicht klappte. Ich erinnere mich, dass eine Schwester, die gerade in dem Zimmer war, welche dazu mit ernstem Gesicht nickte. Meine Eltern wussten davon aber nichts. Es war gerade Vorweihnachtszeit und ich wurde für das Weihnachtskrippenspiel mit eingeplant. Das Spiel lief aber erst ein paar Tage nach meiner Entlassung. Und da wollte ich nicht mehr nur für das Spiel zurück ins Krankenhaus, was auch akzeptiert wurde. -

Mit elf Jahren wurde ich dann wegen Rheuma in die Kinderklinik nach Wuppertal-Barmen geschickt. Dort war ich etwa 5 Wochen. Weil es eine Kinderklinik war, gab es dort einiges an Programm und Material für Kinder. Ich habe haufenweise Bücher gelesen. Manche davon ein paarmal, wie z.B. "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer". Als Kind habe ich oft Bücher, die mir gefielen, am Ende zugeklappt und sofort darauf wieder von vorne angefangen, weil ich mich immer so ganz in die Atmosphäre eintauchte, die das Buch mir gab. Wenn es schön war, bin ich einfach wieder rein in die Traumwelt. - Sonntags kam auch ein "Sonntagschulonkel", der uns Geschichten von Gott erzählen wollte. Zunächst erzählte er Geschichten vom "Kleinen Prinzen" - die ich nicht wirklich verstand. Weil es in einer Geschichte um "Sterne" ging, fragte er danach, wer ein Lied über Sterne kennt. Da kam natürlich der Vorschlag: "Weißt du wieviel Sternlein stehen". Wegen dem Text holte ich mein Sonntagschulliederbuch raus, das ich mit eingepackt hatte. Und das hat dem kommenden Sonntagen eine ganz neue Wendung gegeben. Denn der "Onkel Johannes" merkte auf einmal, dass er in mir eine Unterstützung hatte, bei den Geschichten von Gott. So erzählte er ab dann auch Geschichten aus der Bibel und ich unterstützte ihn dabei. Wir sangen in diesen Stunden auch viel aus meinem Buch. Und weil das den Schwestern so gut zu gefallen schien, haben wir Kinder, welche in dem gleichen Zimmer waren wie ich,  ab dann immer bei der Visite die Ärzte besungen. Am liebsten sangen wir "Gott ist die Liebe", weil ich dabei sogar die Oberstimme singen konnte. Ein Standardlied von mir war auch "Solang mein Jesus lebt", das ich seitdem als "mein" Lebenslied betrachtet habe und mich auch heute noch, wenn ich das Lied höre, in meine Kindheit versetzt fühle. Ich meine, auch dazu kannte ich eine "zweite Stimme", weil wir zu Hause als Familie oft mehrstimmig gesungen haben und auch zu manchen Gemeindeereignissen vorgesungen hatten (aber genau weiß ich das nicht mehr). Auch dort in der Kinderklinik gab es Besuchszeiten, das war zu der Zeit einfach üblich. Für meine Mutter war es immer eine weite Fahrt bis zur Kinderklinik. Aber sie hat mich trotzdem oft dort besucht. -

Das dritte Mal war ich ungefähr 13 Jahre alt. Ich kam wieder wegen Rheuma ins Krankenhaus. Aber dieses Mal wieder ins allgemeine Krankenhaus im Ort. Es war allerdings auch konfessionell, nämlich evangelisch. Es gab in unserem Ort ein Evangelisches und ein Katholisches Krankenhaus. So wie es auch von beiden Konfessionen Schulen gab und ich in die evangelischen Einrichtungen ging.  Dieses Mal war ich drei Wochen dort. Zwischendrin wurden mir die Mandeln noch herausoperiert, weil man mit der Möglichkeit rechnete, dass das Rheuma besser würde danach. Auf der Kinderstation war ganz schön "Hailaif" in der Zeit. Wir waren eine richtige Bande, die auch manchmal in dem Flur herumtollen durften. Ein Junge hatte bei einem Unfall sein halbes Bein verloren. Er gewöhnte sich zwar an eine Prothese dort, aber die meiste Zeit hüpfte er in einem Affenzahn mit uns durch den Flur. Er schien überhaupt nicht behindert in seinem Bewegungsdrang. Zumindest habe ich uns dort alle (wir waren bestimmt 7 oder 8 Kinder) als sehr lebendig und fröhlich in Erinnerung.- Am gleichen Tag wie ich wurden noch zwei Kinder an den Mandeln operiert. Das geschah dort nur mit örtlicher Betäubung, bei vollem Bewusstsein. An die OP erinnere ich mich noch gut. Sie war einfach gräßlich. Weil ich stark geblutet habe danach, wurde hinterher, als ich schon eine Weile im Nebenraum des OP lag, nochmal reingeholt und an beiden Seiten nachgenäht. Da war die örtliche Betäubung auch schon nicht mehr so wirksam und ich habe die Nadelstiche gespürt und geheult, der Arzt hat geschimpft, dass ich aufhören soll .... naja, einfach gräßlich halt.- Das Gute war dabei, dass wir einen Tag danach ganz viel Eis zu essen bekamen. - Auch das war gerade in der Vorweihnachtszeit, wo auch für ein Krippenspiel geprobt wurde. Und weil ich bei dem Krippenspiel  dieses mal wieder mitspielen sollte, habe ich es auch getan. Ich war, wegen meiner langen Haare, diesmal die Maria. Den Josef spielte der Sohn des Kinderarztes, der auch eine Zeitlang mit mir  in einer Schulklasse war. Das fand ich zu der Zeit schon interessant. Dass ich quasi die Ehefrau dieses Jungen spielen sollte. Hat mir gefallen.  Aber den habe ich dann später aus den Augen verloren.

Bis auf die Krankheiten, welche mich überhaupt ins Krankenhaus brachten, gab es dort auch sehr viele gute Erinnerungen. Ich mochte es schon damals, immer mal in anderer Umgebung zu sein. Obwohl ich als Kind dann auch manchmal Heimweh bekam, nach Hause. Das ist aber normal in dem Alter, denke ich. Tapetenwechsel liebe ich bis heute. Wobei die damit verbundenen Umzüge nicht unbedingt mehr zu meinen bevorzugten Erfahrungen gehören.

Sonntag, 30. Juni 2024

Erinnerungen an Auszeiten...Eintrag vom 07.02.2014 über Datumsänderung in die Ära "Erinnerungen" gezogen (Kommentarfunktion deaktiviert)

Anmerkung am 10.8.2024: Die Kommentarfunktion für diesen Eintrag habe ich jetzt deaktiviert, weil es ausartete in eine Richtung, die nicht vorgesehen war.

 Bisherige Kommentare lasse ich stehen, zur Information, wenn jemand daraus Kontakte anschreiben möchte.  Für weitere Diskussionen bitte einen eigenen Blog einrichten!

 Wer noch an mich Fragen dazu hat, kann gerne über das Kontaktformular (unten im Blog) tun. 


 Wir waren zu Hause sechs Geschwister. Davon war ich die zweite. Das heißt, wir sind es noch, denn  meine Geschwister leben alle noch. Nur meine Eltern leben nicht mehr.

Weil mein Vater nicht viel verdiente, haben wir oft Geschenke von Leuten aus der Gemeinde bekommen, so wie abgelegte Kleidung und Obst und Gemüse aus den Gärten. Zu der sehr gestrengen Gemeinde gehörten einige Geschäftsleute. Von denen bekamen meine Eltern manchmal Zuschüsse für besondere Aktionen. 

Einmal wurden wir ältesten drei Geschwister mal während der Ferien in ein Kinderheim im Sauerland geschickt. (Name nachträglich entfernt, damit dieser Post nicht in den Suchmaschinen gefunden wird). Das Kinderheim war irgendwo mitten im Wald. Das gehörte zum Kreis "Mosbach/Sieg".  Meine ältere Schwester war gerade 11 Jahre alt geworden, ich war 9 Jahre alt und mein Bruder 6 Jahre alt. Die Leiterin dieses Heimes gehörte auch zu einer Gemeinde wie die, welcher meine Eltern angehörten. Sie hatte wohl unser Kommen nicht nur als Geschenk gedacht, sondern auch als Unterstützung bei der Hausarbeit. Meine ältere Schwester musste fast die ganze Zeit in der Küche arbeiten. Ich mußte nur immer mit Geschirr waschen und  wurde nur ab und zu auch zu sonstigen Vorbereitungen dazu bestellt.Dort gab es noch eine Küchenhilfe, die aber auch noch ein Kind war, nur etwas älter als meine Schwester. Die Leiterin hatte ein paar Waisen aufgenommen und ich glaube, die Küchenhilfe gehörte auch dazu. Außerdem waren da noch zwei kleine Jungs, die etwa zwei und drei Jahre alt waren. Ich erinnere mich noch an die Namen der Drei. Die Küchenhilfe hieß "Brunhilde", die kleinen Jungs "Dietmar" und "Heiko". Der kleine Heiko war das Lieblingskind. Abends hat sie mit uns im kleinen Kreis oft eine kleine Abendandacht gemacht. Dabei haben wir auch gesungen und der Kleine mochte so gerne das Lied "Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte".

Ansonsten kamen in das Heim eine ganze Menge Kinder, um Ferien zu erleben. Abends, nach dem Abendessen wurde auf dem Platz zwischen den Häusern ein großer Kreis gebildet, wo sich alle anfassten und ein paar Abendlieder gesungen wurden. Das mochte ich immer besonders gerne. -  Einmal haben mein Bruder und ich uns verlaufen in dem riesengroßen Wald. Wir waren mit einer Kindergruppe und Betreuern unterwegs im Wald. Dort gab es nur Wald drumherum. Die Strassen waren weit weg. Mein Bruder musste dann mal in die Büsche und ich wartete auf ihn. Als er fertig war, war die Gruppe nicht mehr zu sehen. Ich beschloss, dass wir lieber den Weg zurück gehen, als dass wir versuchen, die Gruppe zu finden. Das war ziemlich aufregend. Aber wir haben es geschafft. Die Betreuer der Gruppen hat das wohl garnicht gestört, dass wir verschwunden waren. 

Es gab dort auch einen Teich mit Gänsen. Vor diesen Gänsen hatten wir immer Angst und sind gerannt, wenn die mit langem Hals hinter uns herkamen. - Mein Bruder wurde in der Zeit zum Bettnässer. Und die Leiterin hat meine Schwester und mich regelmäßig beauftragt, meinen Bruder zu verprügeln dafür. Er tat uns beiden aber leid und wir haben es nur so weit getan, wie es nötig war, wenn sie zuschaute.  

Wir waren ungefähr 6 Wochen dort in diesem Heim. In der Zeit wurde zu Hause das 5. Kind meiner Eltern geboren. Und so ging die Arbeit zu Hause weiter. Wobei meine Schwester immer die am meisten benachteiligte war. -

Als ich elf Jahre alt war, wurden meine Schwester und ich noch einmal in ein Heim geschickt. Das war dann in der französischen Schweiz, in der Nähe von Lausanne. Das Heim lag in einem Dorf, das "Ballaigues" hieß. Das Haus hatte auch einen Namen, "Jura Rosaly". 

Da es während der Schulzeit war, hatten wir täglich 2 Stunden Schule dort. Und auch immer etwas Hausaufgaben auf. Dort wurden wir so wie die anderen Kinder behandelt. Die Heime waren von einem Christen geführt, der gerne auch mittellose Familien auf diese Weise entlastet hat. Er hieß "Joan Andrae". Wir wurden altersmäßig in Gruppen eingeteilt. So dass meine Schwester und ich in verschiedene Gruppen kamen. In ihrer Gruppe war die Ältesten und meine die Zweitältesten. Es waren so ungefähr fünf oder sechs Gruppen, die sich zum Essen immer im Speisesaal trafen. Wobei immer eine Gruppe zusammen um einen großen Tisch saßen. Es gab dort immer gutes Brot, das man gerne auch ohne alles essen konnte. Nachmittags wurden meistens Spaziergänge gemacht und Brot mit für jedes Kind einen Riegel Schokolade mitgenommen. Ich habe mich gewundert, wie gut das zusammen schmeckte. - Aber die erste Hälfte der Zeit habe ich abgenommen. Das wurde zur Halbzeit und am Ende geprüft. Das Zunehmen galt damals als positiv. Und darum wurde nach dem ersten Wiegen darauf geachtet, dass ich genug aß. Am Ende hatte ich dann auch etwas zugenommen. Da gab es zum Frühstück Melasse aufs Brot, was ich vorher garnicht kannte. Ab und zu auch einfach nur Schokoladen-Schlagsahne. Da stand dann eine große Schüssel mit Schokosahne auf dem Tisch und man konnte sich ausgiebig bedienen. 

Es war im Winter, als dort überall Schnee lag. Auf den Wiesen, zwischen denen wir oft spazieren gingen, standen noch Obstbäume. Manche halbgefrorene Äpfel und Birnen lagen dort herum. Die haben wir manchmal aufgehoben und gegessen. Ich mochte sie, so halb gefroren und fand, dass sie einen interessanten Geschmack hatten. 

Wir hatten während der Zeit auch immer Kindergottesdienst. Dazu bekamen wir ein Schulheft, das wir mit den Themen vollschreiben sollten. Zu jedem Thema sollten wir etwas schreiben. Und wenn uns nichts selbst einfiel, dann durften wir von Vorlagen abschreiben. Am Ende wurden die Hefte benotet  und man bekam Preise. Dort habe ich meine erste eigene Bibel bekommen und war sehr stolz darauf. 

Freitag, 28. Juni 2024

Erinnerungen zu Sechs Wochen Kinderkur ca. 1956 ...Eintrag vom 04.02.2014 über Datumsänderung in die Ära "Erinnerungen" gezogen

Diese Geschichte habe ich schon einmal in meinem ersten Blog veröffentlicht (welcher inzwischen mit der Website "myblog" verschollen ist). Gerade, im Zuge der Erinnerungen, kopiere ich sie hier nochmal rein:

Als ich 5 Jahre alt war, wurde ich mal für 6 Wochen zur Kur geschickt, in ein Kinderheim.  Es ist komisch, an wie viele Dinge man sich erinnert - und solche, die man vergißt. Das woran ich mich noch erinnere, schildere ich hier mal.

Ich wurde nicht darauf vorbereitet, dass ich dort hin muss. Meine Mutter hielt es für besser, wenn es überraschend kommt. (ein Punkt, den sie später als "falsch" bekannt hat). So wurde ich zum Bahnhof gebracht, zu einer kleinen Gruppe von Kindern mit Betreuer in den Zug gesetzt, und ab ging's.

Die Zeit dort war schlimm. Es ging dort zu, wie beim Militär. Schläge gab es auch, aber das war ich von zu Hause gewohnt. Mittagsschlaf war Pflicht. Dann wurden wir ins Bett gepackt und hatten mucksmäuschenstill zu sein. Die Türen der Zimmer standen offen, und Betreuer waren auf den Fluren. Wenn nur ein Bett knarrte, wurde schon gemeckert. Am Besten war es, sich garnicht zu bewegen. - Die Krankenstation dort war auch immer besetzt. Komischerweise hatten ganz viele Kinder zwischendurch einen Furunkel im Gesicht - ich auch. Dann wurde ich ins Bett gepackt, und hatte dort zu ruhen - mehrere Tage. Da der Furunkel am Mund saß, bekam man das "Essen" in einer Schnabeltasse gereicht. - Irgendeine Grippe hatte ich auch zwischendurch, daran erinnere ich mich noch, dass ein großer Junge auch im Zimmer war und lauter Unsinn redete. Schwitzpackungen bekam man dann - das war früher schon üblich, kannte ich von zu Hause. - Ein ganz einschneidender Punkt war das "Klogehen" - das war nämlich auch "eingeteilt. Klar, man konnte auch mal zwischendurch müssen - aber das habe ich irgendwie nicht so auf die Reihe gekriegt, weil ich gewohnt war, mich Ordnungen zu unterwerfen. So war nach jedem Essen offiziell Klogang angesagt. Wir standen in Reihen vor dem Klo, und wer wusste, dass er auch "was Größeres" musste, der bekam ein Stück Klopapier in die Hand. Mein Problem war, dass ich vorher nicht sagen konnte, ob ich es brauchte. Also konnte ich mich ja auch nicht melden. Wenn ich dann merkte, dass es trotzdem "kam", unterdrückte ich es. Und weil ich mich nicht traute, es zwischendurch zu melden, passierte es dann, dass "es" in der Hose landete. - Aber damit war die Geschichte nicht zu Ende. Denn ich traute mich ja auch nicht, das zu melden. Also versuchte ich immer, beim An- und Ausziehen, hilflos zu tun, damit man mir half, und "es" entdeckt wurde. So habe ich "es" manchmal längere Zeit mit mir herumgetragen. - Einmal, als wir uns alle für ein "Solebad" fertig machen sollten, hatte ich solch ein beschmutzes Hemd an. Als ich es wieder anzog, sagte ein Mädel "einmal tut sie die Kacke nach vorne und einmal nach hinten" - Ich weiß nicht mehr, ob es dann, oder erst später entdeckt wurde. - Das Essen war auch ein Punkt, der in meiner Erinnerung ist. Aber nur das eine, was es komischerweise öfter gab. Das war Makaroni in roter Soße - mit Backobst. Das war so eklig für mich, und viele Kinder mochten das nicht. Aber wir wurden gezwungen, wenigstens einen Teller voll zu essen. Ich habe mir dann eine "Lösung" ausgedacht. Dabei habe ich die Makaronis einfach unzerkaut runtergeschlungen, um den Geschmack nicht zu spüren. Der Erfolg war, dass alles wieder retour kam. Und dann durfte ich vom Tisch aufstehen. Doch, etwas habe ich auch in positiver Erinnerung: das Käsebrot, das es manchmal zum Frühstück gab. Der Käse hatte einen ganz besonderen Geschmack, der mir in Erinnerung blieb. Ich habe später nach diesem Geschmack gesucht und ihn im Cheddar-Käse gefunden. Den mag ich noch heute sehr gerne und wenn ich ihn esse, dann erinnere ich mich ...

Ich habe mir später oft Gedanken gemacht, wieso ich so unfähig war, mitzuteilen, was ich brauchte. Oder warum ich nicht z.B. so schlau war, immer das Klopapier zu nehmen. Ich war eben "Ordnung" gewöhnt, wozu der "Kadavergehorsam" gehörte. Aber als Kind denkt man eben einfach. -

 Ich weiß auch noch, wie ich meiner Mutter entgegen "geflogen" bin, als sie mich vom Zug abholte. Ich durfte im Bus auf ihrem Schoß sitzen und bekam getrocknete Bananen zu essen. Getrocknete Bananen gehören auch zu meinen bevorzugten Speisen, bei denen ich mich erinnere.

Irgendwie war mir in dem Moment, wo ich meine Mutter wiedersah,  erst bewusst geworden, dass ich weggewesen war. Es war so ähnlich, als wenn in der Zwischenzeit ein Film gelaufen wäre, in dem ich Zuschauer war. Oder so, als wenn ich etwas ausgeblendet hätte und auf einmal das Licht wieder anging.

Hier habe ich noch ein Foto von der Zeit:



Dienstag, 25. Juni 2024

Vergangene Zeiten ...Eintrag vom 07.03.2013 über Datumsänderung in die Ära "Erinnerungen" gezogen

Sammy  hat in ihrem Blog zwei Videos über die deutsch-amerikanische Freundschaft gestellt, aus Zeiten, wo die US-Army noch hier in DE stationiert war.
Ich habe mir die Video's vorhin angeschaut und mir kommen so manche Gedanken, Erinnerungen an fast vergessene Zeiten von denen ich jetzt, im Nachhinein, manches besser verstehen kann.

Begonnen hat diese Ära ja in den Kriegsjahren. Und ich bin ein Kind der Nachkriegszeit. Es wurde gesagt, dass die Kinder der 80er-Jahre schon nicht mehr viel mit den Erfahrungen der Leute aus den Kriegszeiten anfangen konnten. Für mich waren sie immer sehr nahe, da meine Eltern, besonders meine Mutter, sehr viel aus dieser Zeit erzählt hat, z.B. über Ängste, Hunger, Sehnsüchte und Hoffnungen.

Wir Kinder meiner Eltern (sechs an der Zahl) sind durch dieses Geschehen in der Vergangenheit, besonders dem Kriegsgeschehen, meiner Eltern auf irgendeine Weise mit geprägt worden. Meine Mutter hat z.B. sehr viel Angst gehabt vor allen möglichen und unmöglichen Gefahren. Diese Ängste haben, so denke ich, uns alle durch die Jahre begleitet und mehr oder weniger unser Verhalten zu anderen Menschen geprägt. Anderseits aber auch die Dankbarkeit für Menschen, die unsere Lebens-Verhältnisse verbessert haben.

Die Jahre, nachdem ich von zu Hause ausgezogen bin, habe ich oft und sehr viel über das Verhalten meiner Mutter nachgedacht. Ich habe immer gespürt, dass sie es eigentlich besonders gut machen wollte aber es schlecht bis überhaupt nicht vertragen konnte, wenn jemand sie kritisierte. Irgendwie habe ich lange Zeit über ihr Leben nachgedacht, auf der Suche nach den Guten, das sie eigentlich tun wollte, was ihr aber irgendwie nicht wirklich gelungen zu sein schien.

Dann kam eine Zeit, wo ich ziemlich sauer auf sie war, weil ich nun an mir selbst spürte, dass vieles von ihrem Verhalten auf mich zum negativen gewirkt hat. Aber meine beiden Eltern sind 2004 gestorben und darum denke ich, ich sollte sie auch, mit ihrer und meiner Vergangenheit loslassen.

Die Zeiten des Krieges, welche meine Eltern stark geprägt haben, stehen in einem sehr krassen Gegensatz zu den Zeiten, in denen wir heute leben. Mir scheint, man kann nicht wirklich mehr eine Verbindung finden, die beide Zeiten zusammenbringt. Gerade in dem Neuen liegen Chancen, altes loszulassen und die Ressourcen, die vorhanden sind, auszuschöpfen.

Mein (inzwischen Ex)Mann  ist sogar mitten im Krieg geboren, 1941. Seine Mutter hat immer erzählt, dass er als Zwilling als Einziger überlebte, aber so winzig war, dass er in eine Zigarrenschachtel passte. Jemand im Krankhaus habe zu ihr gesagt, solch ein Kind könne man gleich wegwerfen, es taugt nicht zum Leben. Sie habe es aber Tag und Nacht herumgetragen in Watte eingepackt und er hat es überlebt.

Ja, ein bisschen kann ich da natürlich auch verstehen, dass sie gerade dieses Kind besonders an sich gebunden hat. Zunächst aus Sorge, dass er in der bösen Welt untergehen könnte. Später hat sie oft ihre Geschichte als Begründung genutzt, dass sie von ihrem Sohn Dankbarkeit erwartete, für alles, was sie für ihn getan hat. Sie hat ihn verkorkst. Und die schlechten Voraussetzungen als er noch ein Baby war, haben sicher das Ihrige dazu getan. Und ich, selbst in immer währenden Umbruchssituationen, konnte damit überhaupt nicht umgehen. Wir konnten beide nicht wirklich miteinander umgehen. Immerhin haben wir es 20 Jahre lang geschafft ... mehr oder weniger schlecht.

Jeder Mensch ist geprägt von seiner eigenen Zeit. Und wenn dann die verschiedenen Welten aufeinander prallen, dann gibt es Scherben.

Nein, die Schuldfrage und die Frage, was wer falsch gemacht hat, bringt da nicht weiter. Das habe ich inzwischen auch bemerkt und kann deshalb abschließen mit den Dingen der Vergangenheit, um meine eigenen Erfahrungen mit meinen eigenen Möglichkeiten zu suchen und zu finden.  Jede zeit hat ihre eigene Last, aber auch ihre eigenen Chancen. Wir können nur dann aus dem Vollen schöpfen, wenn wir die Chancen, die wir haben, auch nutzen - anstelle den verpassten Möglichkeiten und das was wir nicht hatten, nachzuweinen.

Ich glaube, im Menschen ist es einfach so drin, dass er immer bei den negativ empfundenen Dingen nach dem Schuldigen sucht. Man meint, wenn man den Verantwortlichen findet, kann man das Negative irgendwie abgeben und dann erst das positive finden. Aber das meiste, was wir erleben, ist eine Folge unseres eigenen Tuns. Ob unser Tun eine Aktion oder nur eine Reaktion ist, davon sind die Möglichkeiten nicht abhängig.

Und Gott? Er hat den Menschen geschaffen. Jeden so, wie er ist. Gott hat jeden Menschen in die ganz eigene Umgebung hinein gestellt und Chancen gegeben. Und er sagt: "Ich bin bei dir und will dir helfen".

Ja, ich weiss auch, dass es Menschen gibt, die an dem Leben scheitern, weil es ihnen tausendmal schlechter ergangen ist als mir. Darum will ich diese Erkenntnis auch zunächst nur auf mich und mein eigenes Leben beziehen. Aber vielleicht kann manchen, der sich an den ganzen Schuldfragen aufgehängt hat, ja meine Erkenntnis trotzdem helfen, die Schuldfragen loszulassen und seine eigenen, ganz persönlichen Chancen zu suchen und zu finden. Mein Rat dafür wäre nur: "Geh mit Gott, aber geh".  (nach dem Fallen nicht liegenbleiben)

Montag, 24. Juni 2024

Ergänzung zu Erinnerungen 014 - verlorene Schlüssel

 In der Zeit zwischen der Trennung von meinem Ehemann und der ofiziellen Scheidung vergingen 3 Jahre. In dieser Zeit hatte ich einen 1€-Job bekommen bei der FEG-Gemeinde, in der ich Mitglied war. 

Meine Arbeit bestand in einfachen Büroarbeiten und Gottesdienst-Vorbereitungen - wie zB PowerPoint-Präsentationen mit Lieder- und Bibeltexten für den Beamer. Um zur Gemeinde zu kommen, musste ich zu dem Zeitpunkt etwa 5 km mit dem Fahrad zum Gemeindehaus fahren - oder zu Fuß durch trockengelegtes Moorgebiet. An diesem Tag nahm ich den Weg zu Fuß durch's Moor.

Wir waren gerade aus der jahrelangen Familienwohnung ausgezogen in ein anderes Wohngebiet, und ich hatte ein neues Schlüsselbund  vom Vermieter erhalten. Daran waren drei Haustürschlüssel und ein Briefkastenschlüssel. Der Vermieter hatte gesagt, ich solle mir den Briefkastenschlüssel noch nachmachen lassen, falls ich einen verliere. Das hatte ich geplant in der kommenden Woche. Zwei der Haustürschlüssel bekamen meine Kinder und einer davon landete, zusammen mit dem Briefkastenschlüssel an meinem Schlüsselbund. 

Als ich am Nachmittag wieder zur Wohnung zurück kam, stellte ich mit Entsetzen fest, dass mein Schlüssel irgendwo unterwegs verloren gegangen sein muss. Haustürschlüssel waren ja trotzdem noch vorhanden. Obwohl ich ja auch die gleiche Anzahl Schlüssel bei Mietende wieder zurück geben müsste. Schlimm war in dem Moment aber, dass es nun keinen Schlüssel für den Briefkasten mehr gab. Und das, während ich ja öfter einen Brief vom Amt bekam mit Aufforderungen, die ich erfüllen musste. 

Also beschloss ich, den ganzen Weg durch's Moor zurück zu gehen, um die Schlüssel zu suchen. Eine Freundin nahm sich die Zeit, mir bei der Suche zu helfen. Wir haben alles am Wegrand abgesucht und ich habe gebetet, dass Gott mich doch bitte den Schlüssel finden lassen möge. Und ich habe ja auch zaghaft geglaubt, dass ich sie finden würde, mit Gottes Hilfe. Aber nichts dergleichen geschah. Und ich war verzweifelt und habe gezweifelt an Gott... weil ich mir die Folgen schon ausmalte, was der Vermieter dazu sagen würde.

Aber erst einmal ließen wir einen Tag vergehen ... und auch noch den nächsten, an dem wir bis zum Abend überlegten, wie wir zuerst einmal einen passenden Briefkastenschlüssel finden sollten. 

Gegen Abend klingelte es an der Wohnungstür, und davor stand unser Vormieter, der nur ein Hochhaus weiter umgezogen war. Ich hatte ihm den Wohnzimmerschrank noch abgekauft, den er  also nicht mit umziehen musste. Von daher hatten wir uns schon länger miteinander unterhalten. Jetzt stand er da und sagte, er hätte in seiner Jackentasche noch einen Wohnungsschlüssel gefunden - mit einem Briefkastenschlüssel. Den gab er uns und verabschiedete sich ..... und ich war platt ... erstaunt ... erfreut ... erschüttert. 

Diese Erfahrung hat mein Vertrauen in Gott sehr gestärkt. Gerade deshalb, weil mir hier klar wurde, dass etwas unmöglich scheinendes bei Gott nie unmöglich ist. 

Sonntag, 23. Juni 2024

Ergänzung zu Erinnerungen 012/013 - Freunde finden

Nach dem Umzug in den neuen Wohnort nach der Heirat fühlte ich mich oft ziemlich alleine.  Obwohl es dort ziemlich viel Verwandtschaft meines Ehemanns gab, gab es nicht das Gefühl, ich wäre unter Menschen, die mir nahe stehen. 

Auch in der Gemeinde fühlte ich mich alleine. Manchmal wurde ich höflich gefragt, ob ich mich eingelebt hätte. Aber so richtig warm wurde ich mit niemandem. 

Irgendwann, als meine Kinder im Kleinkindalter waren, habe ich zu Gott gebetet, dass ich das so nicht mehr lange aushalten würde. Ich bat Gott, mir einen Menschen zu schicken, zum Austausch und treffen miteinander. 

Ich weiß nicht mehr, wie lange es dauerte, bis ich ins Gespräch mit einer Mutter kam, die auch Kinder im gleichen Alter wie meine Kinder hatte. Sie war neu zugezogen in den Ort und wohnte nur etwa 500m entfernt von uns.

Wir trafen uns in einer neu gegründeten Mutter-Kind-Gruppe der Gemeinde, zu der wir gehörten und kamen ins Gespräch, merkten, dass wir gleiche Interessen hatten und trafen uns dann auch abwechselnd in unseren Wohnungen. Sie erzählte, dass sie auch nach einer Freundin gesucht hatte - und wir verstanden uns beide als Gebetserhörungen und von Gott zusammengeführt. Es wurde eine Freundschaft, die bis heute angehalten hat. 

Anfangs haben wir oft zusammen Bibelstudium gemacht, mit den Konzeptblättern, die ich noch aus meiner Bibelschulzeit hatte. Irgendwann hatte dann eine Mutter mit Kleinkindern in der Gemeinde nach einem Hauskreis gefragt, weshalb wir Beide  überlegt haben, ob wir noch Mütter mit Kleinkindern  in unsere Zweier-Gemeinschaft einladen wollen. Wir luden also ein, wer danach fragte. Und so entstand ein Vormittags- Hauskreis für Frauen mit Kindern, der abwechselnd in unser beider Wohnungen stattfand. Die Besucher wechselten immer mal - wenn jemand ging oder neu dazu kam. In den höchsten Zeiten waren es 10 Mütter und etliche Kinder.

Wir hatten ein ganz lockeres Konzept.... oder meistens einfach gar kein Konzept. Es wurde Tee und ein bisschen Knabberzeug/Obst angeboten, so dass erst einmal nur Austausch über Fragen und Probleme im Alltag stattfand. Und manchmal ergab sich schon daraus ein Thema, worüber wir sprachen. Oder wenn sich nichts ergab und sonst kein Thema anlag, nahmen wir als Grundlage einfach die Losungen der "Herrnhuter Brüdergemeine". Irgendwas fiel uns immer ein und es war immer harmonisch und aufbauend. 

Andere Hauskreis-Leiter haben zwar auf unseren Kreis herabgeschaut und gemeint, wir dürften ihn nicht zu den Hauskreisen der Gemeinde zählen. Aber das wollten wir auch gar nicht. Denn es kamen auch Leute, die nicht aus unserer Gemeinde waren zu uns.

 Dieser Kreis bestand über 11 Jahre lang. Bis dann die einige Mütter wieder in den Beruf zurück gingen und auch meine Freundin wieder arbeiten gehen musste. 

Montag, 18. März 2024

Erinnerungsplitter - Sammelsurium ... wird ab und zu aktualisiert, mit neuen Anekdoten

 Manchmal, so einfach im Laufe eines Tages, kommen mir Erinnerungen an vergangene Zeiten. Weil es immer nur kleine Dinge sind, lohnt es sich nicht, dafür eine ganze Seite zu beschreiben. Darum mache ich hier jetzt einfach mal ein Sammelsurium auf, das ich je nach Bedarf ergänze. Dabei numeriere ich die einzelnen Einträge, damit man die neuen besser findet.


1. In meiner Kindheit, und die ganze Zeit, die ich noch in meinem Elternhaus lebte, war es für  alle Familienmitglieder immer selbstverständlich, dass wir niemals raus gingen (einkaufen, spazieren, zur Arbeit, zur Schule etc.), ohne vor Öffnung der Haustüre zu beten, um Bewahrung und Gottes Begleitung zu bitten für unterwegs. Ich fühlte mich dabei beschützt und nie alleine.

Das war kein Zwang, sondern einfach ein Ritual, das wir alle selbstverständlich übernommen haben. Jetzt im Rückblick denke ich, es ist schade, dass ich dieses Ritual nicht auch in meine eigene Familie übernommen habe. 


2. Bei uns zu Hause wurde viel gesungen. Nicht perfekt, aber von Herzen. Als ich dann mit 20 Jahren aus meinem Elternhaus auszog, war Musik und singen ein Pol, an dem ich immer ein Stückchen Heimat empfand. Auch wenn wir Geschwister uns später mal bei meinen Eltern trafen, war es genau dieser Pol, der mir Geborgenheit vermittelte. Jeder meiner (5) Geschwister hat sich später ganz individuell entwickelt. So dass wir teilweise nicht mehr so viel gemeinsam hatten. Aber da, wo wir miteinader Lieder sangen, hat uns dieses (meinem Empfinden nach) verbunden. Auch Gott hat mich auf dieser "Schiene" oft erreicht, wenn ich Fragen zum Glauben und für das Leben hatte. 

Ein bisschen lästig ist allerdings geworden, dass ich inzwischen fasst immer "singe" - egal was ich tue. Wenn ich nicht gerade mit jemandem rede oder in einer Gruppe bin. Ich "atme" dann praktisch immer die Melodie vor mich hin.... also nicht laut und unsichtbar. Aber wenn man in meiner Nähe ist, kann man es hören. Meine Tochter hat mir schon mal gesagt, es sei peinlich.... also hat sie es auch gehört.😉

Ich mag inzwischen gerne auf  "Youtube" eine Gemeinschaft, Musikverlag aus den USA, die inzwischen schon hunderte von Liedern (meist Gospel) als Video veröffentlicht haben. Meistens mit Filmen von Auftritten der Chöre und Gruppen, Konzerten. So manche Abende habe ich schon stundenlang (mit Kopfhörern) solche Konzerte angeschaut, und fühle mich inzwischen schon fast dazugehörig. Die Sänger singen meistens mit einer Begeisterung, dass ich denke, sie leben das Singen - die Musik sind sie selbst. Und mit ihnen kann ich mitfühlen. Auch wenn ich nicht immer alle Texte perfekt verstehe - ich kann sie fühlen. 😇

Falls mal jemand reinhören und anschauen will: es geht um diesen Kanal ... Gaither Music


3. Beim Brot schneiden fällt mir immer ein, dass es mein Vater war, der es mir beigebracht hat, dass die Scheiben schön gerade und die richtige Stärke haben. Zumindest habe ich es bei ihm erst kapiert. Genauso hat er mir auch gezeigt, wie man die Taschen so packt, dass möglichst viel reinpasst und nichts dabei kaputt geht. 

Ich erinnere mich, dass ich das später manchmal auch gesagt habe, was ich von meinem Vater gelernt habe. Dann war meine Mutter oft fast beleidigt, weil sie meinte, sie habe diese Dinge mir doch viel öfter gezeigt, als mein Vater. Aber bei ihr habe ich es eben nicht wirklich kapiert. Ich wusste nur immer, dass ich es falsch machte.

Und daran lag es wahrscheinlich auch. Weil meine Mutter immer erst viel darüber redete, wie man es nicht machen sollte. Und wenn sie dann sagte, wie es richtig sein soll, dann ging das hinter dem ganzen Falschmeldungen unter. Während mein Vater immer ganz praktisch, mit wenig Worten aber indem er es vormachte, zeigte. 

Als ich schon Kinder hatte und meine Eltern mal besuchte, in einem Ort den ich noch nicht kannte, erinnere ich mich, dass es mir einmal genauso ging, so dass mir der Schwachpunkt dabei erst richtig auffiel. Da hatte meine Mutter mir nämlich einen Weg beschrieben, den ich gehen sollte um zu einem bestimmten Ziel zu kommen.  Dabei erzählte sie soviel von den Wegbiegungen, die dazwischen lagen, die ich aber nicht nehmen sollte, dass ich mich unterwegs nicht mehr erinnern konnte, wie nun der richtige Weg war und prompt auch den falschen Weg nahm.

Dienstag, 31. Oktober 2023

Erinnerungen zu Zeitabschnitt 003 - ein halbes Jahr in Kiel

 

Als ich 13 Jahre alt war, habe ich ca. ein halbes Jahr bei meiner Oma in Kiel gewohnt und bin dort auch in die Schule gegangen. Es war die Hardenberg-Schule in der Hardenbergstraße. Das war nur etwa 500 m von der Wohnung meiner Oma (und meiner Tante) entfernt.

In dieser Schule wurde ich ein bisschen wie eine eine Exotin behandelt. Und das habe ich auch ein bisschen genossen. Bin dort selbstbewusster aufgetreten als in meiner Heimatstadt.


Mein Klassenlehrer (Herr Rasmus) dort war der Musik sehr zugetan. Im Klassenzimmer stand ein Klavier, und wenn es dem Lehrer gerade danach war, dann setzte er sich mal eben ans Klavier und mischte die Stimmung merkbar damit auf. Das war für mein Empfinden ganz einzigartig und toll.

In der Musikstunde wurden dann auch die einzelnen Stimmen angehört, mit dem Lied „Die Gedanken sind frei“

Auch ich wurde ausgewählt, um das Lied vorzusingen. Und der Lehrer sagte, ich hätte eine schöne Stimme, woraus man etwas machen könnte.


Ich hatte dort zwei Freundinnen. Eine wohnte im gleichen Haus wie wir, ein Stockwerk unter uns. Sie hieß „Petra“. Ihr Vater war Polizist. Die andere war eine Klassenkollegin und hieß „Erika“. Auch ihr Vater war Polizist.


Erika gehörte in der Klasse eher zu denen, die am Rand stehen. Ich habe mich selbstbewusst zu ihr gestellt. Wir haben in den Pausen noch Spiele gespielt, während die anderen Mädels eher in Gruppen zusammenstanden und auf uns herabschauten. Damals war es an der Zeit, dass Mädels ab einem bestimmten Alter „Perlonstrümpfe“ tragen durften. Wann sie das durften, wurde von den Eltern bestimmt. Erika und ich gehörten zu denen, die noch Söckchen trugen im Sommer und im Winter Wollstrumpfhosen.

Ich erinnere mich an einen Tag, wo wir Schwimmunterricht im Hallenbad hatten. Wir standen noch in eine Reihe von Mitschülern und warteten, dass unser Lehrer uns unseren Spind zuordnete, als irgendwelche Schüler am Anfang der Reihe plötzlich anfingen, Erika zu verspotten, weil sie Söckchen trug. Ich überlegte einen Moment und lief dann auch nach vorne und rief: ich trage auch Söckchen – und jetzt könnt ihr mich auch auslachen. Und da war es plötzlich still. Keiner sagte mehr was. Ich war dann irgendwie stolz, dass ich es gewagt hatte.


Petra war zwei Jahre jünger als ich. Wir wohnten in einem Block in einer Blocksiedlung, die um einen Innenhof aufgebaut waren, in dem noch ein paar Blocks standen. In den Gängen des Innenhofs konnte man gut Verstecken spielen. Mit ein paar weiteren Kindern aus dieser Siedlung waren wir eine richtige Rasselbande. Wir haben zusammen oft „Räuber und Gendarm“ gespielt. Wobei wir dann durch die Gänge tobten, was so manchen Erwachsenen Anwohnern zwar nicht gefallen hat. Aber das hat uns nicht gestört. Neben dem Grundstück war noch eine halb verfallene Ruine. Dort durften wir zwar nicht spielen, weil es zu gefährlich sein sollte. Aber wir haben es trotzdem manchmal getan.


Ich hatte für das Hallenbad, das mehr als 4 km von unserer Wohnung entfernt war, eine Dauerkarte, so dass ich immer wenn ich Lust hatte, auch alleine ins Hallenbad gehen konnte. In der Zeit habe ich schwimmen gelernt. Das war überhaupt der Grund, warum ich nach Kiel geschickt wurde. Weil der Orthopäde festgestellt hatte, dass ich eine sehr schwache Wirbelsäule hatte - weil schwimmen als Stärkung der Wirbelsäule galt. Ich hatte auch zur Stütze ein Korsett, das ich täglich tragen sollte. Einmal, als wir Schwimmunterricht von der Schule aus hatten, hatte ich vergessen, das Korsett an diesem Tag zu Hause zu lassen. Es war mir zu peinlich vor den anderen Kindern, mich umzuziehen. Deshalb sagte ich der Lehrerin, dass ich diesmal nicht mitmachen könnte. Sie meinte dann, ich könnte das Korsett ausziehen, während sie dabei wäre. Und so wurde es nicht peinlich, weil es von der Lehrerin unterstützt wurde. Es war nur wieder einer der Punkte, der mich zu einer Exotin abstempelte. Aber das habe ich dann auch nicht negativ empfunden.


In meiner Erinnerung war diese Zeit bei meiner Oma für mich ein Ort, an dem ich mich besonders geborgen gefühlt habe. Ansonsten war der Begriff „Geborgenheit“ für mich eher so etwas wie ein Märchenland oder ein Paradies, von dem man vielleicht träumen kann – aber es nie wirklich erreicht. Warum das so war – keine Ahnung. War einfach ein Gefühl, an das ich mich in dem Zusammenhang erinnere.

Freitag, 26. Mai 2023

Erinnerung an Erzählungen der Eltern an Kriegszeiten und Familienzusammenhänge

Um meine eigenen Erinnerungen an die Erzählungen meiner Eltern noch zu ergänzen, habe ich mit meiner (anderthalb Jahre) älteren Schwester darüber geredet und meine Erinnerungen aufgefrischt

 Da ich sechs Jahre nach dem Krieg geboren bin, waren die Erinnerungen an die Kriegszeiten meiner Eltern noch sehr frisch.

Meine Mutter war eine lange Zeit geprägt von einer Angst, dass es einen neuen Krieg geben könnte. Diese Angst hat zunächst auch uns ältere Kinder  geprägt.

Sie erzählte, dass sie am Anfang des Krieges gar keine Angst gehabt hätte. Sie wäre sogar bei Fliegeralarm oft extra zu einen Aussichtspunkt gegangen, von wo man die Flugzeuge ankommen sehen konnte, welche wohl zurerst Leuchtfackeln abwarfen, um das Ziel der Bomben zu markieren. 

Erst, nachdem das eigene Elternhaus (in Kiel)  getroffen wurde, wurde die Angst so stark, dass sie fortan beim ersten Alarmton losgerannt wäre in die Schutzbunker. 

Meine Mutter war 12 Jahre alt, bei Kriegsbeginn. Sie erzählte, dass sie auch gerne in den BDM gegangen wäre. Aber sie wurde abgelehnt, weil zu jung. Von dem ganzen Geschehen hat sie das Ausmaß der Bedeutung nicht wirklich begriffen. Auch die Verfolgung der Juden hat sie nicht begriffen. Warum diese mit einem Judenstern markiert wurden, der im Dunkeln leuchtete, darüber haben sie sogar manchmal gespottet, dass wenn jemand etwas dickere Figur hätte, er zwei Sterne tragen musste, so dass es einen Zusammenstoß gäbe, wenn man mitten durch diese zwei Markierungen durch gehen will. 

Mutter hat auch Hunger kennen gelernt. Sie sagte, dass es für die Essensmarken morgens nur eine dünne Scheibe Brot gab, so dass sie meistens hungrig war. Als sie mal mit der KLV (Kinder-Landverschickung) auf einem Bauernhof viel zu essen hatte, und dort Pfannkuchenreste der Katze bringen sollte, hätte sie noch unterwegs so viele wie möglich selbst gegessen, weil sie die für die Katze viel zu schade fand. 

Die Mutter meiner Mutter ... meine Großmutter, hat 9 KInder geboren. Zwei davon starben schon im Kindesalter. Eine hat sie mit einer Lungenentzündung zwei Stunden weit in eine Klinik getragen - um sie dann tot wieder zwei Stunden zurück tragen musste. 

Sie selbst hatte 12 Geschwister. Die Mutter mochte keine Mädchen und schickte ihre Tochter schon mit 14 Jahre "anschaffen". 

Auf diese Weise lernte sie ihren Mann kennen ... meinen Großvater. Mit 17 Jahren wurde meine Großmutter schwanger, musste heiraten, und bekam das erste Kind. Das letzte Kind bekam sie mit 36 Jahren. 

Ein Sohn (Bruder meiner Mutter) ist im Krieg auf dem Schiff "Bismarck" gefallen. Das Schiff ist auf See gesunken ... bekanntlich durch eigenes Bewirken. Ein anderer Sohn ist im Eis eingebrochen und ertrunken, weil er nicht auf das Verbot seiner Eltern gehört hatte. Meine Mutter hat die Geschichte immer als Warnung erzählt, für Strafe (von Gott?), wenn man ungehorsam ist.

Mein Vater ist in Memel geboren und aufgewachsen ... bis zum Krieg. Der Ort hieß damals so, wie der Fluss. Heute heißt der Ort "Klaipeda". 

Dass er als Soldat eingezogen wurde, war wohl eher ein Versehen. Er erzählte, dass er gerne jeden Tag zum Flugplatz in der Nähe der Wohnung ging und zugeschaut hat, was da lief, an Reparaturen und Beladungen . Eines Tages hätte ihn ein Mann gefragt, ob er gerne mal dort mitarbeiten würde. Er hat begeistert "ja" gesagt. Und ein paar Tage drauf stand jemand vor der Türe und teilte ihm mit, dass er sich ja gemeldet hätte und jetzt also Soldat wäre. 

Er sagte, er wäre dankbar, dass er in der ganzen Zeit als Soldat nie Menschen töten musste. Dafür hätte er am Anfang seiner Zeit als Soldat gebetet. Ein einziges Mal wäre er in einer Truppe gewesen, die direkt an die Front musste. Zu dem Zeitpunkt wäre er aber gerade krank gewesen und auf der Krankenstation.

Seine Familie musste dann im Verlauf des Krieges in den Westen fliehen. Sie sind mit einer Tochter und einem Sohn dann auf einem Flüchtlingsschiff in Kiel gelandet.  Zuerst war wohl ein anderes Schiff eingeplant, welches sie aber auf irgendeine Weise verpasst haben. Dieses Schiff ist dann untergegangen - keiner hat überlebt. Also sahen sie auch das als Bewahrung von Gott. Die Tochter haben sie auf dem Schiff wohl mit Mehl im Gesicht so aussehen lassen, als wenn sie sehr krank wäre. Das machten sie wohl, um das Mädel vor einer Vergewaltigung zu schützen. Auf diese Weise sind sie dann heil auf der anderen Seite der Ostsee angekommen. 

Die Famile meines Vaters gehörten zu den "Baptisten". In Kiel wurde mein Großvater dann bekannt als derjenige, der das Kreuz im Gemeindehaus gezimmert hatte. Er war Zimmermann von Beruf. Es bestand früher mal ein Foto, auf dem er mit einem großen Kreuz im Gemeindesaal nach vorne ging. 

Bei den Baptisten haben meine Eltern sich dann auch kennen gelernt und 1948 geheiratet. Nach etwas mehr als ein Jahr wohnten sie in Kiel, in der Wohnung der Eltern meiner Mutter. Dort wurde auch meine ältere Schwester geboren. Zwei Monate vor meiner Geburt bekam mein Vater ein Arbeitsplatz-Angebot in NRW, wohin sie dann umzogen und mein Vater dann bis zu seiner Rente in diesem Betrieb gearbeitet hat. 

Freitag, 14. April 2023

In Erinnerung: ein paar meiner ungelösten Schandtaten in Zeiten meiner Kindheit/Jugend


Wie wahrscheinlich bei Jedem, erinnere ich mich nur an ganz spezielle Aktionen in meiner Jugend. wo ich, mehr oder weniger bewusst, anderen Menschen geschadet habe….vor Allem auch an solche, die letztendlich nicht aufgeklärt wurden. An drei davon erinnere ich mich auch heute ab und zu mal wieder und denke nach, warum ich das tat - ich weiß es nicht - ich tat es einfach.

Bei der ersten muss ich zwischen fünf und sieben Jahre alt gewesen sein. Wir wohnten in einem Mehrfamilienhaus im Erdgeschoss, in dem es kein Badezimmer gab. Reinigungen aller Art spielten sich in der Wohnküche ab. Vom Flur/Treppenhaus aus kam man sofort in die Küche. Die Toilette war ein Plumpsklo im Flur/Treppenhaus. Neben dem Klo stand ein Eimer mit Wasser und es lag kleingeschnittenes Zeitungspapier auf einem kleinen Beistellschränkchen.

Die Nachbarin gegenüber war (wie die meisten Bewohner dieses Hauses) für mein Empfinden ziemlich nervig. Sie kam öfter mal rein und erzählte den neuesten Klatsch über die anderen Hausbewohner und beschwerte sich oft über eine Familie im ersten Stock, die es, ihrer Meinung nach, auf sie abgesehen hätten, ihr zu schaden. Auf dem Hausflur stand eine Kommode von ihr, worauf eine Vase stand. Und der Schlüssel zu ihrem Klo steckte von außen in der Tür.

Eines Tages reizte es mich einfach, die Vase von der Kommode neben die Kommode zu stellen. Ziemlich bald danach klopfte die Nachbarin an die Türe, und beschwerte sich über diese Tat, welche sie wieder der Familie im ersten Stock zuordnete.

Ein paar Tage danach zog ich dann einfach mal den Schlüssel aus der (abgeschlossenen) Klotüre und legte ihn unter die Fußmatte vor der Treppe, nicht weit von der Türe entfernt. Diesmal war die Beschwerde über die böse Familie in ersten Stock noch etwas dramatischer. Denn schließlich konnte sie ohne Schlüssel nicht mehr in den Raum. Aber dadurch, dass sie auch auf die Fußmatte getreten habe, hat sie ihn nun doch gefunden.

Ich saß während der Beschwerden beider Taten ruhig am Tisch und habe nichts gesagt. Also ging dieses Geschehen als ungelöster Fall in meine Erinnerung über...

***

Der zweite Fall spielte sich in meiner fünften oder sechsten Klasse in der Schule ab. Einer Mitschülerin - ich erinnere mich noch an ihren Namen - fiel das Portemonnaie runter, und etliche Münzen kullerten über den Boden. Das Geld war bestimmt für einen Einkauf, zu der das Mädel von ihrer Mutter beauftragt worden war.

Ich half ihr dabei, die Münzen wieder einzusammeln ... und behielt heimlich fünfzig Pfennig für mich zurück. Das Mädel war entsetzt, die letzte Münze nicht mehr zu finden. Das Geld war wohl abgezählt für ihren Einkauf, und so könnte sie ihren Einkauf nicht vollends erledigen. Aber ich tat so, als wenn ich es auch nicht finden würde.

Heute, wenn ich mich daran erinnere, tut mir das Mädel leid. Damals waren fünfzig Pfennig noch viel Geld. Und nach damaligen Erziehungsmethoden musste sie wohl auch mit einer Strafe rechnen, wenn sie das beichtet. Aber es war und blieb ein ungelöster Fall ...


***

Der dritte Fall spielte sich in meiner Ausbildung/Lehre als Industriekaufmann ab. Bei Beginn der Lehre war ich vierzehn Jahre alt, sie lief über drei Jahre. Während der Ausbildung mussten die Lehrlinge mehrere Abteilungen in der Firma durchlaufen. 

Meine zweite Abteilung war der Versand. Damals lief noch alles handschriftlich ab. Zu dem Zeitpunkt waren wir zwei Mädels, die dafür zuständig waren, die Versandpapiere auszufüllen und in die nächste Etappe auf das Fließband zu legen. Wir beide hatten ziemlich unterschiedliche Handschriften, so dass bei Überprüfung immer schnell klar war, wer einen Fehler gemacht hat, wenn nicht alles so lief, wie es sollte. 

Irgendwann reizte es mich, bei einem größeren Versandvorgang, die Schrift meiner Kollegin anzuwenden - was mir wohl ziemlich gut gelungen ist. Dass ich dabei einen Fehler mit eingebaut hatte, war nicht mein Plan. Aber es kam, wie es kam ... die Kollegin wurde des Fehlers beschuldigt. Sie beteuerte zwar, dass sie sich nicht daran erinnern würde. Aber die Schrift verriet (scheinbar) den wahren Täter. 

Auch an den Namen dieser Kollegin erinnere ich mich heute noch genau... und weil ich wieder einmal schwieg, wurde dies ein weiterer ungeklärter Fall ...

Heute, im Rückblick, tun mir natürlich alle Taten leid.

Freitag, 17. März 2023

Ergänzung 03 zu Erinnerungen im Zeitraum 014 ... Trennungsphase in Gemeinde


Die Zeit zwischen der Trennung und der offiziellen Scheidung war eine ganz besondere Phase für mich. U.a. auch deswegen, weil ich dachte, dass ich vor Gott einen Fehler mache … wie es mir jahrelang vermittelt worden war. Denn Jesus hat sich deutlich gegen eine Scheidung ausgesprochen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb erlebte ich in dieser Zeit mehr Nähe und Zeichen von Gott, als ich die ganze Zeit zuvor wahrgenommen habe.


In der Gemeinde hatte kurz davor gerade ein Wechsel der Pastoren stattgefunden. Und ich rechnete damit, dass dieser Pastor mir in dieser Phase keine Unterstützung sein könne. Darum war ich dann freudig überrascht, als er, nach meiner Ankündigung zum Thema, mir seine Unterstützung zusagte und das auch deutlich bewiesen hat.


Ich war am Anfang Sozialhilfeempfänger, was später dann in „HartzIV“ umgewandelt wurde. Habe etwa anderthalb Jahre Tageszeitungen (in der Nacht) ausgetragen, als Minijob. Als dann der „1€-Job² eingeführt wurde, fragte ich den Pastor, ob er für mich solch einen Job in der Gemeinde einführen könne, weil das ja alles dann (mit zusätzlichem Zuschuss) vom Amt bezahlt würde. Also hätte die Gemeinde eine Arbeitskraft und einen kleinen finanziellen Zuschuss als Gewinn daraus. Der Pastor besprach das mit der Gemeindeleitung und ich konnte den Job dort machen. Das war für mich, bei all den Änderungen in meinem Leben ein Ankerpunkt, wo ich mich geschützt fühlte, vor dem ganzen Unbekannten, die noch vor mir lagen.


Irgendwann zwischendurch erzählte ich dem Pastor mal, dass ich Gottes Führung in der Scheidungsphase erleben würde. Worauf er meinte, Gottes Führung in einer Scheidung wäre paradox – weil Gott gegen Scheidungen wäre. Die Schlussbemerkung war für mich dann eine Zeitlang auch ein Punkt, an dem ich zu knacken hatte: „da bist du wohl nur von seiner (Gottes) Gnade abhängig“.


Das Wort „Gnade“ hatte in dem Moment für mich eher eine verurteilende Wirkung. So, als wenn ich mich jetzt in einem Niemandsland befinden würde, mit offenem Ausgang … entweder für oder gegen mich, je nachdem, wie ich mich weiterhin verhalte. Ich fühlte mich ähnlich wie „Vogelfrei“ – zum Abschuss freigegeben, falls ich mir noch eine weitere „schlimme Sünde“ erlauben würde.


An einem Sonntagmorgen war ich gerade wieder (ca. eine Stunde) unterwegs zum Gottesdienst in der Gemeinde, als die ganze Schuldpalette meine Gedanken wieder einmal überschwemmte. Ich habe dann einfach mal alle meine „Schulden“ vor Gott in Gedanken aufgelistet – kleine und größere „Sünden“ (nach den mir bekannten Gesetzen). Und dann ertönte in mir plötzlich die Melodie eines ziemlich altem Evangeliumsliedes, das ich schon lange nicht mehr gehört oder gesungen hatte (also war es kein Ohrwurm, der von außen ausgelöst wurde). Dann fing ich an, zu überlegen, was ich da denn eigentlich für ein Lied singe… dessen Text ich nur noch zum Teil in Erinnerung hatte. Das Lied traf mein Herz in dem Moment als Botschaft von Gott, die lautete:selbst wenn deine Sünden blutrot wären, sind sie vor mir so weiß wie der Schnee – ich habe dir längst vergeben“.


In dem Moment unterwegs auf einem einsamen Weg fielen alles Lasten plötzlich von mir ab. Ich fühlte mich frei von dem, was mich runterziehen könnte – und sah nur noch eine entspannte Weite, die mir offen steht. Wie in dem Psalm 31,9“du stellst meine Füße auf weitem Raum“.


Die Predigten in dieser Phase meines Lebens waren für mich jeden einzelnen Sonntag wie eine Offenbarung, die mir Stärke und Wegweisung gab, für meinen ganz persönlichen Weg – in einer Intensität, wie ich es nie zuvor erlebt habe. Eine Predigt ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. Ich habe sie mir hinterher noch etliche Male (auf Cassette) angehört. Sie gründete auf Psalm 84

Der Pastor nannte sie „eine Pilgerreise zum Haus Gottes“. Er schilderte den Weg, oft unwegsam und steinig, mit tiefen Tälern und zeitweise Dunkelheit. Der Pilger war getrieben von der tiefen Sehnsucht nach dem Haus Gottes. Er beneidete fast die Vögel, die ihr Nest dort bauen konnten und damit direkt Wohnung im Haus Gottes hatten. Er würde lieber auf der Schwelle des Hauses Gottes wohnen, als in den fruchtbaren Tälern, weit ab davon.


An dem Tag, an dem ich diese Predigt hörte, fühlte ich mich noch in einem unwegsamen Tal, so wie der Pastor es schilderte. Noch sehr weit entfernt vom Ziel. Aber mit der Hoffnung und dem Weitblick, irgendwann dort anzukommen. Immer, wenn ich mir mal diese Predigt wieder anhörte, hatte ich das Gefühl, ein Stück näher gekommen zu sein. Und auf dem Weg wurde die Gewissheit immer stärker, dass Gott selbst mich auf dem ganzen Weg begleitet und mir Stärke gibt, damit ich die Täler und Höhen überwinden kann.

Montag, 13. März 2023

Ergänzung 02 zu Erinnerungen im Zeitraum 013 - Mütter-Kinder-Hauskreis

 In diesem Zeitraum , als meine ersten beiden Kinder noch im Kleinkindalter waren, fühlte ich mich anfangs oft allein. Darüber berichtete ich schon am Anfangs dieses Eintrags.

Als es für mich unerträglich zu sein schien, betete ich zu Gott, dass er mir doch bitte jemanden senden möge, mit dem oder der ich Erfahrungen und Gedanken austauschen könne.

Da es in der Gemeinde bei mehreren Familien Kinder im gleichen Alter gab, kam eines Tages die Anfrage von einer Mutter, wer denn bei einem "Mutter-Kind-Spiel-Kreis" mitmachen würde. Ich habe mich dort auch gleich gemeldet. Und schon nach kurzer Zeit hat sich ein intensiver Kontakt zu einer anderen Mutter entwickelt, die auch auf der Suche nach Austausch war. Ihre Kinder waren fast gleich alt wie meine, und sie wohnte nur etwa fünf Minuten Fußweg entfernt von uns.

Anfangs trafen wir uns manchmal auf dem Spielplatz, der so ziemlich in der Mitte zwischen unseren Wohnhäusern lag. Oder eben abwechselnd bei ihr oder uns zu Hause.... mit unseren Kindern.  Sie war noch am Anfang ihres Glaubenslebens und suchte intensiven Austausch über biblische Themen. Und weil ich noch mein Material von der Bibelschule hatte, habe ich ihr das zum Lesen gegeben. Zwischendurch trafen wir uns und tauschten über unsere Erkenntnisse und Erfahrungen aus - ganz locker und ohne große Vorlagen und Regelungen. Es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft, die später auch über Entfernungen anhielt - bis heute.

Nachdem wir das eine Weile so praktiziert haben, sagte meine Freundin, dass sie in der Gemeinde gefragt worden wäre, ob es einen Hauskreis gäbe, zu dem man mit Kindern kommen könne. Sie hat dann von unseren Treffen erzählt und gefragt, ob ich etwas dagegen hätte, wenn wir noch weitere Mütter zu unserem Austausch einladen würden. Ich hatte natürlich nichts dagegen. 

Und so entstand dann ein Mutter-Kind-Hauskreis, der abwechselnd bei ihr oder bei mir in der Wohnung stattfand. Die Teilnehmerinnen wechselten im Laufe der Zeit immer mal. Zeitweise waren wir mehr als zehn Mütter mit Kindern. Und immer hatten wir ein ganz lockeres Konzept: einfach nur Austausch. Zugrunde lag manchmal ein vorher angesagter Bibeltext. Häufig aber auch einfach nur die Losungen des Tages. Meistens schweiften wir ohnehin ab vom Text, wenn eine der Frauen ein Anliegen hatte, worüber sie gerne reden wollte, oder wenn ein Stichwort im Text Fragen auslöste. Die Hauptsache war die Gemeinschaft untereinander. 

Es gab auch bei jedem Treffen Tee und kalte Getränke, sowie etwas zum knabbern oder frisches Obst, was auch die Kinder gerne in Anspruch nahmen. 

Auf diese Weise bestand unser Hauskreis ganze elf Jahre. Er endete dann, als unsere Kinder größer waren, so dass einige Mütter wieder in das Berufsleben zurück gingen. Und das war eine Gemeinschaft, die für mich die Beste war, der ich jemals angehören durfte. 


Mittwoch, 8. März 2023

Ergänzung 02 zu Erinnerungen im Zeitraum 014 - Umzug mit Regenbogen

In dieser Phase, bevor mein Umzug in den Schwarzwald stattfand, war ich etwa ein viertel Jahr lang  plötzlich wohnungslos. 

Meine Kinder wohnten nicht mehr bei mir, so dass ich die gemeinsame Wohnung kündigen musste. Eine Freundin hatte mir angeboten, ein Zimmer in ihrem Haus zu beziehen, mit kurzer Kündigungsfrist für beide Seiten. Sie versuchte schon seit fünf Jahren ihr Haus zu verkaufen, und rechnete nicht unbedingt damit, dass ein Käufer kurzfristig auftauchen würde. Und ich hatte geplant, im Schwarzwald nach Arbeit zu suchen, und suchte einfach eine Bleibe zwischendurch.  Nach diesem Angebot kündigte ich dann auch die alte Wohnung - mit vierteljähriger Kündigungsfrist.

Ungefähr zwei Wochen, bevor ich bei der Freundin einziehen sollte, kam eines Tages eine e-mail von ihr, in der sie mir mitteilte, dass sie jetzt überraschend einen Käufer für ihr Haus gefunden hätte, und dass es ihr nun am besten passen würde, wenn ich gar nicht mehr einziehe. Also: Absage der Wohnung. 

Nach dem ganzen Stress der letzten Wochen, mit renovieren, aussortieren und Vorbereitung für den Umzug, hat mich das erst einmal umgehauen. Ich habe rumgeheult, und war einfach nur fertig. Da aber nur noch kurz Zeit war, suchte ich nach einer Zwischenlösung für mich. Nachdem eine nähere Bekannte aus meiner Gemeinde dann auch erst für mich ein Gästezimmer freimachen wollte - dann aber auch wieder absagte, fand ich dann endlich doch eine Lösung, einem Gästezimmer bei einer anderen Freundin, die ein wenig außerhalb, in ländlicher Gegend wohnte. 

Da ich aber auch noch ein paar Möbel und Hausrat für den eventuellen Neuanfang in BaWü hatte, brauchte ich vorübergehend eine Lagermöglichkeit dafür. Zu dem Zeitpunkt war ich mit einem 1€-Job in meiner Gemeinde (FEG) als Mitarbeiterin eingestellt . Und da dort noch ein bisschen Lagerraum im Keller frei war (durch zusammenrücken) bekam ich die Erlaubnis, meine Gegenstände, die ich nicht bei der Freundin mit dem Gästezimmer lagern konnte, dort unterzustellen.

Da ich selbst keinen Führerschein habe und meine Kinder auch noch nicht, brauchte ich Unterstützung bei dem ganzen Aus- und Umziehen und Zwischenlagern. Diese Hilfe bekam ich durch liebe Gemeindemenschen... die mir dann auch beim späteren Umzug in den Schwarzwald halfen. 

Zu dem Zeitpunkt, an dem geplant war die Dinge zum Zwischenlagern zu befördern, hatten wir gerade die ganzen Sachen im Anhänger des Autos verstaut und zum Gemeindehaus befördert, als ein plötzlicher Wolkenbruch mit Regen uns beinahe unmöglich machte, überhaupt einen Schritt raus zu gehen. Wir parkten das Auto ziemlich nahe an der Hintertür des Hauses, so dass wir, nur schnell rennen konnten, um uns unterzustellen, bis der Regen sich ein wenig beruhigt hatte. 

Eine meiner besten Freundinnen schaute dabei zweifelnd zu dem Unwetter und fragte mich: "Bist du sicher, dass du das Richtige tust?" Sie vermutete das Unwetter als Zeichen dafür, dass ich einen Fehler mache, mit meinen Umzugsplänen in den Süden.

Mit den Helfern war es dann schnell geschehen, die Sachen im Keller zu verstauen. Plötzlich rief meine Freundin mich aufgeregt, dass ich doch mal schnell kommen solle, es gäbe etwas zu sehen. Sie stand an der Hintertür und zeigte nach vorne auf den Himmel. Da stand ein vollendeter Regenbogen vor uns, von einem Ende zum Anderen. Solch einen vollkommenen Regenbogen hatte ich zuvor noch nie gesehen. Es traf mich bis ins Herz, als Zusage von Gott, dass ER immer bei mir sein wird, egal wo ich bin und was ich tue... so wie ER es mir schon etliche Male vorher versprochen hat. Ich wusste von da an wieder, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Nicht, weil der Weg so perfekt wäre, sondern weil Gott immer bei mir ist und mich hält und mir hilft, wo immer ich mich gerade befinde.

Sonntag, 5. März 2023

Erinnerungen 016 - BaLi, ME, bis 3J Bh

 Mein Job in der Kirche war für mich ein guter Abschluss meines Arbeitslebens. Ich war in diesem (kleinen) Ort zu Hause. Zweimal am Tag – Morgens und Abends musste ich die Kirche auf-und wieder zuschließen. Das bedeutete, dass ich jeweils einen zehnminütigen Fußweg hin und zurück gehen musste. War also gezwungenermaßen mindestens 40 Minuten täglich unterwegs und in Bewegung. Da mich viele Leute aus der Kirche kannten, gab es auch kaum einen Tag, an dem ich nicht irgendeinen Bekannten traf und oft auch einen kleinen Plausch gehalten habe.


Für meine Zeit als Rentnerin überlegte ich dann, wo ich letztendlich wohnen wollte. Meine Söhne waren wieder zurück im Norden. Meine Tochter hatte auch nicht vor, immer in diesem Ort im Schwarzwald zu bleiben. Ich würde aber schon gerne als Rentnerin in der Nähe von Menschen wohnen, die mir nahe stehen. Nach reiflicher Überlegung dachte ich, dass dies in meinem Geburtsort, in NRW am ehesten der Fall wäre. Dort wohnen vier meiner Geschwister mit ihren (großen) Familien. Da würde wahrscheinlich immer jemand übrig bleiben, wenn manche davon weg ziehen würden.


Also suchte ich über das Internet eine Wohnung in meinem Geburtsort, und bat eine meiner Schwestern, mögliche Wohnungen zu besichtigen, wenn ich dort Kontakt aufgenommen hätte. Auch das lief wieder einmal traumhaft schnell ab. Ich fand eine Wohnung mitten in der Stadt, im 5. Stockwerk, direkt über einem Discounter, an einem Platz, der sozusagen Mittelpunkt der Stadt ist.

Meine Kinder und meine jüngere Schwester sorgten dafür, dass der Umzug gut klappte. Und so hatte ich eine sehr schöne helle Wohnung, über einigen Dächern der Stadt.


Trotzdem haben dann verschiedene Umstände dazu geführt, dass ich nach genau vier Jahren dort noch einmal umgezogen bin – in den Ort, wo meine Söhne wohnten und in dem ich selbst zuvor 23 Jahre gewohnt habe. Dieses Mal bekam ich aber eine nette, winzig kleine Wohnung, im Erdgeschoss eines alten Bauernhauses, welches am anderen Ende der Stadt steht, zu dem wo ich früher gewohnt habe.


Mein Umzug dahin war genau einen Tag, bevor der erste Lockdown wegen Corona begann. Da meine neue Wohnung möbliert war (eigentlich für Studenten gedacht), brauchte ich für den Umzug nur einen größeren Pkw. So hat meine ältere Schwester (zusammen mit einem ihrer Söhne) mich an dem Sonntag im März 2020 von NRW in den Norden, nahe Hamburg, gefahren. Das war eine unvergessliche Fahrt, die wahrscheinlich nur dieses eine Mal so erlebbar war. Wir fuhren knapp 400 km über fast leere Autobahnen, ohne Stopp. Meine Schwester fuhr noch am selben Tag zurück, weil ja am nächsten Tag der Lockdown beginnen sollte.


Ja, und hier wohne ich nun – in diesem Moment – auch schon wieder genau drei Jahre…. Und fühle mich am richtigen Platz. 

Knapp  ein halbes Jahr nach meinem Umzug starb mein Ex-Ehemann ziemlich überraschend im Altersheim.

So, wie es im Moment aussieht für mich, denke ich, dass dies meine letzte Wohnung ist. Aber wer weiß das schon … das dachte ich zuerst in NRW auch. Ich bleibe jedenfalls weiterhin offen für Veränderungen … wenn auch nicht mehr ganz so beweglich, wie ich es mal war. Ich werde älter … aber noch lebe ich, und es gefällt mir so, wie es ist.

Samstag, 4. März 2023

Persönliches ....Eintrag vom 06.06.12 über Datumsänderung in die Ära "Erinnerungen" gezogen

Meine Söhne ziehen aus unserer gemeinsamen Wohnung aus, nachdem sie ihre Ausbildung beendet haben.
Das war schon länger so geplant und ist deshalb grundsätzlich okay. Seit Kurzem steht nun aber fest, dass sie demnächst (in 6 Wochen)  wieder in den Norden zurück ziehen.
Auch das war von ihnen irgendwann geplant. Nur dass es jetzt aktuell wird, das ist ziemlich überraschend gekommen, nachdem sie mit ihrem Cousin ausgemacht haben, dort zu wohnen, bis sie einen festen Job haben.

Solche Wendepunkte im Leben bewegen mich immer dazu, Rückschau zu halten.
Alles in Allem kann ich dabei nur feststellen, dass mein (unser) Weg beinahe bilderbuchartig wunderbare Fügungen waren - welche ich persönlich Gott zuschreibe. Ich fasse es hier nochmal in Stichpunkten zusammen.

Angefangen haben diese sichtbaren Fügungen mit meinem Ausstieg aus meiner Ehe. Ich weiß, dass bei diesem Ausspruch etliche christliche Freunde von mir jetzt lauthals protestieren würden. Das hat auch ein (sehr guter) Pastor anders gesehen, der mir am Anfang der schwierigen Phase sehr viel Hilfe und Beistand gegeben hat. Da sagte er nämlich, dass es paradox wäre, von "Führung" zu reden, wenn diese Führung aus einer bestehenden Ehe heraus geschehen würde. Er hatte dies zwar akzeptiert, aber für ihn war ich nun nur von der Gnade Gottes abhängig. Dieser Ausspruch hat mich zunächst in eine tiefe Krise geführt. Bis ich erkannte, durch viele kleine und große Liebesbeweise von Gott, dass genau diese Gnade die einzige Chance aller Menschen ist - und darum ein Privileg und kein Todesurteil.

In jeder Hinsicht habe ich in der Zeit danach immer wieder Hinweise von Gott bekommen, die mir zeigten, dass Gott mich niemals im Stich lassen würde. Er ist da - auch wenn ich manchmal so zugeschüttet bin von Dingen die meinen Blick auf ihn vernebeln wollen. Immer da, wo es gerade so aussah, als wenn alles den Bach herunter geht, dann kam etwas ganz besonders Tolles als Chance auf mich zu, die ich ergreifen konnte.

Krass wurde es, als es zum Umzug aus dem Norden in den Süden von DE ging.
Ich hatte das, wie meine Söhne jetzt umgekehrt, schon länger im Hinterkopf. Aber zunächst wollte ich noch in der Nähe meiner Kinder sein, bis diese selbstständig sein könnten. Die zuerst gut scheinende Chance einer Wohnung wurde mir aber so kurzfristig wieder weggenommen, dass ich buchstäblich das Gefühl hatte den Boden unter den Füßen zu verlieren.  Und das nahm ich dann als Anlass, um mich gleich in Richtung Süden zu orientieren. Das bedeutete in diesem Fall aber ohne die Kinder. Für diese hatte ich aber Möglichkeiten erfragt, beim Arbeitsamt & Co, so dass ich die Hoffnung hatte, dass sie ihren Weg auch ohne mich finden.

Bevor ich mich überhaupt um eine Möglichkeit im Süden kümmern konnte (hatte eine Zeit eingeplant, wo ich bei Freunden aus dem Internet kurze Zeit wohnen könnte) wurde mir auf wundersame Weise schon eine Wohnung angeboten von einer Person, die selbst 6 Jahre vorher aus dem Süden in den Norden gezogen war.
Für den Umzug ergaben sich auch wunderbare Möglichkeiten, indem Menschen, die ich aus der christlichen Gemeinde kannte, mir halfen, mit einem Anhänger am Auto, die nötigsten Dinge ca. 800 km weiter zu befördern.
Ich wohnte dort dann noch nicht einmal 4 Wochen, als sich herausstellte, dass die Möglichkeiten, die meine Kinder haben sollten, durch einen Gesetzesbeschluss hinfällig wurden.  Das bedeutete, dass die beiden Söhne kurzerhand zu mir ziehen mussten. Die Tochter hatte schon eine Ausbildung angefangen, noch ein Stück weiter in den Norden. Glücklicherweise war die Wohnung, die ich hatte, zwar winzig - aber es waren drei Zimmerchen, so dass jeder sein eigenes Zimmer haben konnte - und die Vermieterin nichts dagegen hatte.

Zunächst waren wir alle HartzIV-Empfänger, ohne besondere Aussichten.
Für den Jüngsten, der gerade die Realschule fertig hatte, mußten wir aber eine Stelle in der Berufsschule suchen, weil er noch ein Jahr lang schulpflichtig war - auch wenn es ihm nicht so gefiel. Als wir dann zu dritt in der Berufschule nach Informationen forschten, ergab es sich, dass auch für den Älteren ein Schulplatz gefunden wurde. Diese Schulplätze haben beiden Jungs nicht besonders zugesagt. Aber sie haben ihnen geholfen, einen Start in das Berufsleben zu finden.  Nachdem sie da noch in einen anderen Bereich über die Jahre weg wechselten, haben sie danach auch Beide eine Ausbildungsstelle gefunden, die sie nun gerade erfolgreich abgeschlossen haben.

Ein Jahr später zog meine Tochter dann auch in den Ort, wo wir jetzt wohnen, weil sie sich dann doch für einen anderen Beruf entschieden hat - und jetzt auch einen guten Job darin bekommen hat.

Für mich persönlich ergab sich zunächst ein weiterer 1€Job, den ich mir selbst gesucht hatte, nachdem ich im Norden schon einen bei der christlichen Gemeinde gehabt hatte. Diesmal war er in der Evangelischen Kirche. Und dort waren alle so erfreut, dass ich mich dort voll entfalten konnte. Überall wurde mir Vertrauen entgegen gebracht und ich entdeckte selbst erstmal, wie schön es ist, seine Gaben einzusetzen wo es möglich ist - und dabei neue Gaben zu entdecken.

Über das Arbeitsamt, aber auch durch diesen 1€Job habe ich dann vor 4 Jahren meinen Job als Mesnerin in der Evangelischen Kirche im Nachbarort gefunden. Dafür mussten wir alle dann nochmal umziehen, weil ich kein Autofahrer bin - also keinen Führerschein besitze. Somit musste ich ja vor Ort wohnen, um in Bereitschaft sein zu können. Dieser Job ist auch total schön und hat mir schon viel gegeben, dass ich persönlich und im Glauben wachsen konnte.

Diese jetzige Situation, dass die Jungs wieder in den Norden wollten, war wie gesagt vorauszusehen. Sehr oft haben wir darüber gesprochen. Und ich hatte mir schon so manche Gedanken gemacht, wie ich dann den Umzug in eine neue Wohnung, die ich auch alleine bezahlen kann, schaffen soll, wenn die Jungs Hals über Kopf verschwinden. Und auch da hat sich dann eine Lösung gezeigt, bevor ich meine Sorgen so richtig ausleben konnte. Eine Kollegin meiner Tochter zieht um und vermietet ihre Wohnung mit vielen Möbeln. Diese Wohnung möchte meine Tochter gerne mieten. Und weil mir die jetzige Wohnung meiner Tochter so gut gefällt, hat sie mich gefragt, ob ich nicht einfach ihre jetzige Wohnung übernehmen will, mit Möbeln. Das macht für uns beide den Umzug wesentlich leichter und erspart mir große Suchaktionen.

Da sind wir also nun. Zunächst dachten wir noch, meine Söhne würden dann alleine in dieser Wohnung, die wir jetzt bewohnen, bleiben. Zu Dritt war es etwas eng. Aber zu zweit wäre es okay. Und ihnen war zunächst klar, dass eine Jobsuche im Norden sich von hier aus erstmal schwierig erweisen könnte. Bis dann ein Telefongespräch mit dem Cousin und Freund in ihrem Alter eine völlig neue Perspektive bot: sofort umzuziehen und dort nach Arbeit zu suchen.

Das bedeutet nun zwar, dass wir diese Wohnung hier ganz ausräumen müssen. Und das noch, solange die Beiden hier sind. Sie ziehen nämlich schon im Juli nach Norden, und mein Umzug ist erst Ende August. Also habe ich nun den Sperrmüll für den Juli bestellt. (ist sowieso fast alles Schrott). So dass ich noch ungefähr 6 Wochen in dieser fast ausgeräumten Wohnung alleine wohne. Ist sicher ein ganz anderes Wohngefühl. *g* Aber zumindest ist es so machbar. Bei dem Rest, den ich mitnehmen will, hat meine Tochter mir ihre Hilfe (mit ihren Freunden) zugesagt.

Tja - so hat die Wohnsituation und vieles andere sich für mich wie ein großes Puzzle erwiesen. Irgendwie haben sich die Puzzleteile immer irgendwie passend zusammengefunden. Und ich bin gespannt, was die Zukunft noch bringen wird.

Donnerstag, 2. März 2023

Erinnerungen 015 - Schwarzwald bis Rente

 An meinem neuen Wohnort im Schwarzwald suchte ich mir zuerst mal einen neuen 1€-Job. Zuvor hatte ich schon einen 1€Job gemacht, in der freikirchlichen Gemeinde, in der ich Mitglied war. Da ein neues Bundesland war, wurde es mir vom Jobcenter erlaubt, noch einen zweiten zu machen. Ich fragte dazu bei der Evangelischen Kirchengemeinde an, mit einer Empfehlung von meiner vorigen Gemeinde. Der Pfarrer hat diesen dann für mich beantragt, mit der Aufgabe, die Mitgliederlisten abzugleichen mit denen vom Einwohnermeldeamt. Zusätzlich gab er mir Aufgaben im Gemeindebüro. So habe ich unendlich Kindergottesdienstmaterial eingescannt und zum Teil neues Material erstellt für die Kinderkirche dieser Kirchengemeinde. Und auch hier konnte ich Kindergottesdienst organisieren und abhalten. Außerdem den Gemeindebrief mitgestalten … und einfach Dinge tun, die ich gerne tat.

Nach einem Jahr war der 1€Job aber abgelaufen und ich musste aktiv wieder Bewerbungen schreiben. Da auch mein Pfarrer einen guten Draht zu der Mitarbeiterin im Jobcenter hatte, der ich zugeordnet wurde, hat die dann aktiv auch mitgesucht nach einem Job im kirchlichen Bereich. So passierte es, dass ich, mit Empfehlung des Pfarrers, den Job als „Mesnerin“ (Küsterin) in einem, 10 km entfernten Nachbarort bekam. Dafür musste ich aber in diesen Ort umziehen…. und meine Söhne mit mir. Es war dann sogar der gleiche Ort, in dem meine Tochter bereits wohnte und arbeitete. 


Und das war eigentlich der beste Job, den ich in meinem ganzen Arbeitsleben hatte. Ich hatte den Schlüssel zur Kirche und war sozusagen die „Hausfrau“ dieses Gebäudes. Jede Veranstaltung (Gottesdienste, Konzerte, Beerdigungen etc) musste „an mir vorbei“. Freigegeben wurde das zeitlich natürlich vom Pfarrer, aber für die äußere Gestaltung (Deko, Einrichtung, Pflege usw) war ich verantwortlich. Die Kirche war in dieser Zeit wie mein zweites Zuhause. Acht Jahre lang habe ich diesen Job gemacht, bis ich in Rente ging.


Meine Söhne hatten am Anfang im Schwarzwald beide noch keine Arbeitsstelle. Der Jüngere hatte gerade die Realschule beendet, und der Ältere war ohnehin arbeitslos. Beide waren nicht sehr interessiert daran, sofort Arbeit zu finden. Aber da der Jüngere erst 17 Jahre alt war, unterlag er in BaWü noch der Schulpflicht (Berufsschule). Ihr Umzug fiel gerade ins Ende der Sommerferien. Und durch die Zeitung erfuhren wir den Zeitpunkt, an dem die Anmeldungen in der Berufsschule im Nachbarort, der Kreisstadt, stattfinden sollten.


Das geschah noch, bevor ich den Job in der Kirche beginnen sollte. Und so machten wir uns an dem Stichtag auf den Weg in den Nachbarort, um unseren Jüngsten anzumelden. Dazu haben wir dann noch einen ganz romantischen Weg durch einen Park und dem Wald gewählt. In der Schule angekommen wurde dann auch ein Platz für meinen Sohn gefunden, mit Berufsrichtung „Stahlbau“ (weil dort noch Plätze frei waren). Und als die Formalitäten beendet waren, wandte sich der Lehrer dem älteren Sohn zu und fragte: „und was ist mit diesem jungen Mann? Braucht er auch einen Platz?“. Wir waren ziemlich überrascht, sagten dann, dass er aber schon 21 Jahre alt wäre...aber wenn es für ihn einen Platz gäbe, wäre das nicht schlecht. Und so bekam dieser Sohn auch einen Schulplatz, in Berufsrichtung „Elektroniker“.


Nach der Beendigung des ersten Schuljahres beschlossen beide Söhne, umzuschulen auf „Wirtschaftsabitur“. Sie bekamen dann sogar (mit ein bisschen tricksen) beide in einer Klasse einen Platz, und machten so zwei Jahre später ihr Abitur im Bereich „Wirtschaft“. Da wir ja immer noch von HartzIV abhängig waren (mein Verdienst war für uns alle zu niedrig) , mussten sie dann auch direkt anschließend einen Ausbildungsplatz suchen. Beide fanden einen im kaufmännischen Bereich. Die Zeit der Ausbildung war, besonders für den Älteren, zeitweise ziemlich schwierig. Aber Beide haben durchgehalten bis zum Ende … und einen guten Abschluss gemacht.


Danach beschlossen alle beide, wieder zurück in ihren Heimatort umzuziehen, und erst dort einen festen Job zu suchen. Ein Cousin sorgte dafür, dass sie am Anfang bei ihm zu Hause (seinen Eltern) wohnen durften, bis sie eine eigene Wohnung gefunden haben. Und kaum eine Woche danach hatte der jüngste Sohn schon einen festen Job. Sie fanden eine gemeinsame Wohnung und ein halbes Jahr später fand auch der Ältere Sohn eine Arbeitsstelle. Inzwischen haben beide ihre Stelle nochmal gewechselt, und bis heute sind beide fest angestellt und haben ein gutes Einkommen.


Es waren abenteuerliche Zeiten, die 10 Jahre im Schwarzwald. Manchmal sah unser Leben ganz schön chaotisch aus. Aber im Rückblick kann ich nur staunen. Es scheint, als wenn alles schon so geplant gewesen war, und ich danke Gott, für Alles, was daraus geworden ist.


Samstag, 25. Februar 2023

Erinnerungen 014 - Eheende, Umzug BaWü

 Nach zwanzig Jahren Ehe, mit dauerndem Auf und Ab der Aggressionen, habe ich dann unsere Trennung beschlossen und die Scheidung beantragt. Bis zum Zeitpunkt der rechtskräftigen Scheidung waren wir dreiundzwanzig Jahre verheiratet.


Zunächst bin ich drin geblieben, weil ich nicht wusste, wie es danach weitergehen könnte…. als alleinerziehende Mutter. Als meine Kinder älter wurden, fragte ich sie in solchen Fällen, wenn wieder einmal Ausraster eskaliert sind, wo sie wohnen wollten, wenn ich ausziehen würde. Eine längere Zeit sagten zumindest die Jungs, dass sie gerne da wohnen bleiben würden. Darum blieb ich dann auch erst einmal da. Zwischendurch, als ich mal wieder mit Trennungsgedanken spielte, bekam ich einen Hinweis, den ich als Botschaft von Gott verstand, dass es noch nicht so weit wäre … ich also noch aushalten solle. Und dann, als unser Jüngster dreizehn Jahre alt war, schien es mir, dass jetzt der Moment sei, dass ich gehen könne. Dazu gehörte auch wieder ein Gespräch mit meinen Kindern, wobei meine Tochter sagte: „dann tue es doch endlich auch mal“.


Es war für mich eine abenteuerliche Zeit, in der ich manchmal dachte, die Anforderungen wachsen mir über den Kopf. Aber gerade in diesen Zeiten habe ich so stark Gottes Unterstützung gespürt, wie nie zuvor. Tausend kleine und größere Zeichen und für mich auch Wunder könnte ich aus dieser Zeit erzählen. Vielleicht erzähle ich darüber später auch noch hier, aber erst einmal weiter mit dem groben Überblick. Jedenfalls war es, kurz nach der offiziellen Scheidung, dann plötzlich so weit, dass ich mich entschied, jetzt meinen Traum, wieder einmal in den Schwarzwald umzuziehen, umzusetzen. Ich beschloss, nach einem Angebot von Internetbekanntschaft mit einem Ehepaar, eine Zeitlang bei ihnen zu Gast zu sein – in der Nähe von Ulm – um eine Wohnung und vielleicht sogar einen Job zu suchen und finden.


Kurz davor traf in in der Freien Ev. Gemeinde (FEG), bei der ich noch Mitglied war und wo ich gerade einen „ein-Euro-Job“ machte, beim „Kirchenkaffee“ auf eine junge Frau, die vorher auch im Schwarzwald gewohnt hat. Während ich an dem Stehtisch einigen Leuten erzählte, dass ich demnächst mal meine Fühler in Richtung Schwarzwald ausstrecken wollte, sprach mich diese Frau an. Sie sagte, sie hätte noch immer Kontakt zu ihrer früheren Vermieterin dort. Und soviel ihr bekannt wäre, sei die Wohnung, welche sie dort bewohnt hatte, immer noch frei. Sie bot mir an, dort mal nachzufragen, ob ich vielleicht diese Wohnung bekommen könne. Und so passierte es, dass ich diese Wohnung schon klar machen konnte, bevor ich überhaupt dort gesucht hatte. Es war eine kleine Dachgeschosswohnung, etwa 40 qm groß, mit einer Küche, einem Wohnzimmer, einem Schlafzimmer und einen Abstellraum. Alle Räume hatten ein Fenster nach draußen. Die Wohnung war in Schömberg bei Neuenbürg, auf ca. 800 m Höhe, direkt neben dem Wald.


Meine Tochter wohnte zu dem Zeitpunkt nicht mehr zu Hause. Sie hatte eine schulische Ausbildung in Schleswig begonnen. Meine Söhne wollten weiter in dem Haus wohnen, das ihrem Vater gehörte. Und nach einer Erfahrung, wo ich den jüngeren Sohn davon abhalten wollte, mit seinem Bruder und einigen Cousin‘s auf dem Jahrmarkt Alkohol zu konsumieren – die dann von der „Clique“ vereitelt wurde, indem sie ihn zurückhielten und versprachen auf ihn aufzupassen, hatte ich den Eindruck, dass ich ohnehin keinen Einfluss mehr auf sie hatte. Und so zog ich zunächst alleine in den Schwarzwald um. War sicher nicht die beste Entscheidung meines Lebens. Aber auch hier hat Gott Gutes daraus entstehen lassen.


Sechs Wochen, nachdem ich im Schwarzwald wohnte, waren meine beiden Söhne gezwungen, zu mir umzuziehen. Weil der Vater sich nicht um sie kümmerte und seine Konten gesperrt waren, weil er die drei Jahre nach der Trennung keine Steuerklärung mehr gemacht hatte … und beide Söhne keinen Job hatten. Sie hatten geplant, sich beim Arbeitsamt zu melden, um HartzIV zu bekommen. Aber kurz zuvor wurde ein neues Gesetz gültig, wobei Kinder, wenn sie kein eigenes Einkommen haben, bis zum 27. Lebensjahr bei ihren Eltern leben mussten – zumindest von ihnen unterstützt würden. Nun war es von Vorteil, dass in meiner kleinen Wohnung tatsächlich für jeden von uns ein Zimmer vohanden war. Die Vermieterin hatte nichts dagegen, dass meine Söhne dazu ziehen. 

Meine Tochter kam dann ein Jahr später auch in den Schwarzwald, weil wir ihr zu weit weg wohnten und sie gerne einen anderen Job haben wollte. Sie zog dann in einen Nachbarort, der 10 km von unserem entfernt war… und so waren wir als (fast vollständige) Familie wieder vereint.

Einer meiner Söhne sagte nach dieser Zeit, dass er dies mehr als Familie empfunden habe, als die Zeit zuvor.