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Dienstag, 10. November 2015

Krankheitszeiten

Die ersten sechs Jahre in meinem Job bin ich nie krank geworden. Jedenfalls nie so, dass ich nicht gearbeitet habe. Dieses Jahr ist es nun schon das zweite Mal, dass ich krank geschrieben bin. Ich merke, dass ich an meine Grenzen komme. Besser gesagt, darüber hinweg. Naja - nur noch siebeneinhalb Monate, bis zur Rente. Und weil ich meinen Urlaub ganz nach hinten verschieben darf, schon einen Monat früher. Also, habe ich noch ein gutes halbes Jahr.

Dass ich dieses Mal sogar in der Nacht selbst den Notarzt rufen musste, habe ich mir auch niemals träumen lassen. Irgendwie habe ich immer versucht, mich selbst durchzubringen. Ist mir bis vor Kurzem auch einigermaßen gelungen. Aber jetzt scheint es vorbei zu sein.

Ich hatte Herz-Rhytmusstörungen, genauer gesagt: Vorhofflimmern, einer starken Sorte. Ein wenig kannte ich das schon. Bisher konnte ich mich immer abreagieren und irgendwann hat sich das gelegt. Dieses Mal war es anders. Mein Herz raste (Pulsschlag 156) ich hatte Luftnot und fühlte mich sehr alleine. Zumal meine Tochter, die im gleichen Ort wohnt wie ich, auch gerade etwa 700 km weiter weg, bei ihren Brüdern zu Besuch war.

Nachdem ich fast zwei Stunden lang in meiner Wohnung auf und ab gelaufen bin, in der Hoffnung, dass sich das irgendwie alleine legt, musste ich feststellen, dass es so nicht funktioniert. Wenn ich mich setzen wollte, hatte ich das Gefühl, wegzuknicken. Also fasste ich mir endlich ein Herz und rief die 112 an. Ich sah von meiner Wohnung aus den Krankenwagen kommen. Er fand den Eingang nicht (geht eine lange Treppe den Abhang rauf) und fuhr vier Mal daran vorbei. Ich musste dann noch auf den Balkon mit einer Lampe, mit der ich Lichtsignale sandte. Dann haben sie mich gefunden. War alles aufregend und hat mir erst richtig gezeigt, wie es ist, alleine zu sein.

Daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern. Obwohl ich ja die Absicht habe, nächstes Jahr, zum Rentenantritt, wieder in eine andere Wohnung zu ziehen (welche ich hoffentlich noch finde) in meinem Geburtsort, in die Nähe meiner Ursprungsfamilie. Das sind eine ganze Menge Menschen dort. Aber natürlich jede Familie in ihrer eigenen Wohnung.

Nun - jetzt muss ich erst einmal sehen, wie ich meine jetzige Lage in den Griff bekomme. Die Medikamente, welche ich nehmen muss, sind sehr gewöhnungsbedürftig. Zumal sie den Kreislauf runter drücken - und damit auch zum Teil meine Stimmung.  Die Nächte sind für mich im Moment auch weniger erfreulich, da sie mich immer mal mit weiteren (viel schwächeren) Attakken heimsuchen. Aber in mir noch zu schnell eine Art Panik wächst, in Erinnerung an jene Nacht.

Meine Tochter ist übrigens an dem selben Tag noch  nach Hause zurück gefahren. Sie besucht mich öfter und fragt mich zwischendurch nach meinem Ergehen und was sie tun könne. Dafür bin ich ihr sehr dankbar! Langsam fange ich an zu begreifen, warum so viele ältere Menschen dauernd über ihre Krankheiten reden. Das sind Situationen, die einen überrollen können und irgendwie dann ganz groß zu werden scheinen. Mal sehen, wie sich das noch entwickelt. Ich hoffe, dass diese Phase bald vorbei ist.